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Gwenifer Raymond

»Last Night I Heard The Dog Star Bark«

We Are Busy Bodies

Man muss es einmal sagen, denn verschweigen kann man es auch nicht: Im weiten Feld instrumentaler Gitarrenmusik, dem American Primitive und artverwandten Genres treiben sich nicht viele Musikerinnen herum. Sarah Louise, Wendy Eisenberg und Kristin Thora Haraldsdottir haben einmal Alben auf dem entsprechend spezialisierten VDSQ-Label von Fahey-Biograph Steve Lowenthal veröffentlicht, Yasmin Williams fiel in jüngerer Vergangenheit auch einem etwas größeren Publikum auf und in historischer Perspektive gerät einem Elisabeth Cotton in den Blick – und das war’s zwar nicht ganz, aber viel mehr wird es nicht. Gwenifer Raymond ist aber vor allem deshalb eine Besonderheit, weil sie zwei Dinge sehr gut kann: eingängige Melodien schreiben und diese rasend schnell spielen. »Bonfire of the Billionaires« ist einer dieser schnellen Titel und ihr überwiegend super dynamischer, beinahe überhastet anmutender Stil zeugt von einer gewissen Rastlosigkeit, immer scheint sie mit den schnellen Fingern ihren wohl noch schnelleren Gedanken hinterher zu sein. So ungefähr klingt die Musik und man könnte meinen, dass diese gewisse Unruhe im Spiel ihr zum Nachteil gereicht. Dem ist aber nicht so, denn sie gönnt sich hier und da auch Pausen und drosselt das Tempo, was nicht zuletzt der Atmosphäre der Kompositionen zugutekommt (vgl. hierzu das abschließende »One Day You’ll Lie Here But Everything Will Have Changed«). Aber egal ob Gwenifer »Flitzefinger« Raymond auf die Tube drückt oder innehält: Die Musik überzeugt immer. »Last Night I Heard The Dog Star Bark« ist ihr drittes Album und Kompositionen wie »Cattywomp« könnten Raymond den Jack-Rose-Award einbringen, wenn es den zu vergeben gäbe. Der amerikanische Gitarrist, der, neben Glenn Jones, mit seinen bis zu seinem frühen Tod veröffentlichten Alben für die Revitalisierung des American Primitive steht, schaut vielleicht beeindruckt von einer Wolke auf die Waliserin herunter und nimmt einen Whiskey auf ihr Wohl, wissend, dass eine ebenbürtige Nachfolgerin in seinem Geiste durch Clubs zieht und allen zeigt, was eine Harke ist. Um in der hemdsärmeligen Terminologie zu bleiben: Gwenifer Raymond liefert ab, auf dem höchsten Niveau. Die zehn Kompositionen auf »Last Night I Heard The Dog Star Bark« gehen runter wie Öl und nachdem ich sie in einem Rutsch durchgehört habe, möchte ich sie gleich noch einmal hören – alle, immer wieder. Platte des Jahres, im Genre mindestens.

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
02.09.2025

Schlagwörter

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