Würde man versuchen, den Prototypen eines amerikanischen Old-School-Death-Metal-Albums zu designen, könnte es ähnlich aussehen und klingen wie »Death Never Sleeps«, der zweite Longplayer der New Yorker Band Glorious Depravity, der soeben auf dem indischen Label Transcending Obscurity Records erschienen ist. Die fünf Musiker hinter Glorious Depravity sind alle in anderen Projekten aus dem Extreme-Metal-Bereich tätig unter anderem in Pyrrhon, Woe und Gravesend. Gleich drei Mitglieder kommen von der Black-Metal-Gruppe Woe, Sound-technisch lassen sich hier allerdings nicht viele Gemeinsamkeiten erkennen – und so experimentierfreudig wie bei Pyrrhon geht es hier auch nicht zur Sache. Glorious Depravity wirkt vielmehr wie eine Liebeserklärung an klassischen US Death Metal. Hier wird ohne Unterlass geknüppelt und ein Thrash-inspiriertes Riff folgt auf das andere. Klare Referenzpunkte sind Cannibal Corpse, Morbid Angel und Deicide, aber auch der New Yorker Heimat wird Tribut gezollt, vor allem Suffocation und Ripping Corpse haben das Sound-Verständnis der Gruppe zweifellos mitgeprägt. Das Tempo bleibt durchgehend schnell, nur der Titeltrack drosselt die Geschwindigkeit und liefert damit einen perfekten Albumausklang. Aufgenommen und gemixt wurde »Death Never Sleeps« mit Joe Cincotta, der unter anderem für einige Alben von Suffocation und Obituary verantwortlich zeichnete, für das Mastering engagierte man Ryan Williams, den ehemaligen Bassisten von The Black Dahlia Murder. Abgesehen von einem etwas moderneren Sound könnte man aber durchaus denken, es mit einer Scott-Burns-Produktion zu tun zu haben. Auch optisch stellt man sich in eine Reihe mit der Death-Metal-Elite, denn das Cover ziert ein Werk von Dan Seagrave, der schon psychedelisch-makabre Bildwelten für Meisterwerke von Morbid Angel, Suffocation, Gorguts, Skeletal Remains und vielen mehr entworfen hat. Die musikalische Umsetzung ist durchwegs makellos, bewegt sich aber klar in OSDM-Bahnen. Ab und an finden technischere Riffs ihren Weg in die Songs, ein Highlight in dieser Hinsicht ist ein Bass-Break in »Fresh Kills Poltergeist«, das den Song in eine neue Dimension katapultiert. Eine neue Death-Metal-Ära wird »Death Never Sleeps« vermutlich nicht einläuten, wer aber Gefallen an einer modernisierten Version von Neunziger-US-Death-Metal findet, dem sei dieses Machwerk wärmstens ans Herz gelegt.
Glorious Depravity
»Death Never Sleeps«
Transcending Obscurity Records
Text
Ulrich Musa-Rois
Veröffentlichung
11.11.2025
Schlagwörter
Glorious Depravity
Transcending Obscurity Records
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