Queertactics © Queertactics
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Eintauchen in eine queer-feministische Filmwelt

Queertactics zeigte von 12. bis 16. November 2025 Geschichten auf der Leinwand, die Betrachtende neue, andere Realitäten durchwandern ließen, wie sie für Queers hierzulande für gewöhnlich kaum in solch geballter Konzentration zu finden sind.

Kein Wunder erneut, dass die zwei aus der BRD stammenden Kurator*innen bzw. künstlerischen Leiter*innen von Queertactics Katja Widerspahn und Dagmar Fink der scheinbar hinterm Mond lebenden oder jedenfalls im internationalen Vergleich langsameren österreichischen LGBTIQ-Community zeigen, wie solch ein großartiges Festival aus dem Boden zu stampfen geht.

Besonders faszinierte die quer über verschiedene Teile der Welt reichende Filmauswahl. Eröffnet wurde das Festival mit dem Animationsfilm »Bouchra«. Besonders reüssiert hat der herausragende nepalesische Spielfilm »Pooja, Sir« rund um die Minderheit der Madeshi mit der Hauptfigur einer wegen einer Entführung ermittelnden Polizistin. Neben einem Queer-Brasil-Film wurde in dem Dokumentarfilm »Tchindas« über den Karneval auf der Insel Sao Vicente, Kap Verde erzählt. 

Katja Widerspahn und Dagmar Fink © Queertactics

Perlen des queeren deutschen Kinos

In den »Queertactics-Perlen: Neues queeres Kino aus Deutschland« wurde viel inspirierendes, junges Kurzfilm-Kino deutscher Filmschulen präsentiert, mit jedenfalls als »alternativ« gedachten Lebensrealitäten. Gleich im ersten Film »Erogenesis« ist an äußerst ästhetischen Drehorten ein Forscher*innen-Team, das eine künstliche Gebärmutter entwickeln soll, vielmehr an der Erforschung nicht-genitaler sexueller Erregung interessiert. 

Besonders treffend ist das Drehbuch von »Kiss Kiss Wolf« um zwei ehemalige Arbeiterinnen, die u. a. in den Dunkelkammern der »Orwo« über die Erstellung lesbischer Pornos berichten, zusammen mit einem immer wieder auftauchenden Stasi-Mitarbeiter. Derart authentisch, dass ich als Zuseherin kurzzeitig hinterfragte, ob es tatsächlich so geschehen war, damals in der DDR. 

Schlussevent in den Breitenseer Lichtspielen © Queertactics

Vielfältige und wichtige Filmbeiträge

Besonders schön bzw. erfassend wird im nächsten Film »Short Notice« die Anziehungskraft, die in Leipzig ein 24-Stunden-Date zweier Queers, die an unterschiedlichen Orten leben und sich behutsam und langsam annähern, geschildert. 

In »Fuck The Cistem« wird aus den Augen der non-binary-identifizierten Hauptfigur die heteronormative, transphobe Gesellschaft betrachtet, die ob ihrer Festgefahrenheit in dualen Konventionen Angst und Ärgernis erzeugen kann, aber mit Freund*innen bzw. Kolleg*innen auch zu Widerstand empowern imstande ist. Etwas edukativ, könnte diesem Film vorgehalten werden, aber angesichts des großen Unwohl- und Unsicher-Fühlens von trans-/non-binary-identifizierten Personen stellt auch er einen wichtigen Beitrag dar.

Verleihung der Goldenen Medusa © Queertactics

Abschluss-Highlights

Die Verleihung der Goldenen Medusa war ein wichtiges, feierliches Abschluss-Event, das den Preisträger*innen neben der wohlverdienten Anerkennung auch einen monetären Ausdruck zugestand. Etwas Kunstuni-zentriert geriet manche Preis-Filmauswahl. Das war offensichtlich der Besetzung der neuen Jury mit Tonica Hunter, Mzarno Nondwana und Ahley Hans Scheirl geschuldet.

Die Goldene Medusa für die herausfordernste/n Geschlechterdarstellung/en ging an »Brother and Sister – Same Satan (Water and Wind)« von Oleksandr Halishchuk, die für die queerste Ästhetik an »Bua Cek« von Kenneth Constance Loe und die für das beste LGBTIQ+-Dokument an »Spicy Noodles« von Sophia Hochedlinger. Die Preise wurden persönlich angenommen und es gab danach ein rauschendes Fest in den Breitenseer Lichtspielen, einem der ältesten Kinos der Welt. Jetzt bleibt nur noch zu wünschen übrig, dass queer-feministische Filme vermehrter und dauerhafter in österreichische Kinos einziehen.

Jury und Preisträger*innen © Queertactics

Link: http://www.queertactics.at/ 

Home / Kultur / Film

Text
Dominika Krejs

Veröffentlichung
25.11.2025

Schlagwörter



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