Dritte Hand © Julian Van Urban

Die endgültige Dialektband Dritte Hand lädt zum »Kuchlsitzn«

Die Alben von Dritte Hand müssten alle mit »Best of« untertitelt werden. Hier trifft sich, in musikalischer Vielfältigkeit kaum zu überbieten, alles, was an der Rückkehr der österreichischen Dialektsprache gut ist. Am 3. März live im Wiener Chelsea.

Nicht Gabalier, sondern Dritte Hand müssten die heutigen Lieblinge der Nation heißen, in einem offenen, liebenswürdigen Österreich. Dass es dieses Österreich der ungehobelten Zunge auch abseits rechtspopulistischen Wirtshausgeschwätzes gibt, dafür steht seit Jahren diese Band. Viele Konzerte im großen und kleinen Rahmen haben sie gegeben und die Liste der Gastauftritte bei ihren Gigs ist so lang, dass man sich manchmal fragt, ob Dritte Hand eine Feature-Band sind. Dem ist aber nicht so, dafür steht das neue Album »Kuchlsitzn« viel zu eigenständig da. Stilistisch ist diese Band schwer zu beschreiben: Sie selbst nennen es »Donaurock & Stonerwalzer«. Der Opener »Lamour is Murder« legt los in der Manier eines 1960s’ Psychedelic Rockers mit dadaistischem Text: »Lamour kam in die Kirche«. Die zweite Nummer »Ghupft wia ghatscht« – einer ihrer stärksten Tracks, mit ordentlich orientalischem Einschlag – wurde im Duett mit Sigrid Horn neu aufgenommen. Wenn nicht schon in der Version vom gleichnamigen Debütalbum 2017, müsste der Song eigentlich jetzt zum Hit werden. Manchmal sind manche Dinge wirklich egal. Wenig später wird in balladesker Form eines unserer wichtigsten Grundelemente besungen: »Wossa«.

»Kuchlsitzn« heißt das Album, benannt nach dem Epizentrum der bandeigenen Ideenschmiede: der Küche, in der alle Alltäglichkeiten des Lebens zusammenkommen und von Dritte Hand in poetisch-dadaistische Form gegossen werden. Über weite Strecken herrscht der Dreivierteltakt und wir sind verleitet, Walzer dazu zu tanzen. Der Titeltrack »Kuchlsitzn« ist wiederum eine astreine Punkrock-Nummer. Hier wird das Kuchlsitzn dann auch zum revolutionären Akt hochstilisiert. Die Küche als Rückzugsort: Was auch immer ihr tut, »wia tan Kuchlsitzn«! Manchmal wachen wir dann aber auch am nächsten Tag verkatert auf, mit jeder Menge »Glizzah« im Gesicht. Die Hammondorgel kehrt bei einer Neuaufnahme des Impressionist*innenteichs zurück. »Strassburg«, die letzte Nummer, erzählt dann auch davon, wie man es mal wieder übersieht, vor dem Sonnenaufgang schlafenzugehen, und unsere Welt zu einer Zwischenwelt wird. Wir treiben durch das Zeitloch, das wir damit selbst erschaffen haben …

»Kuchlsitzn« ist ein lang erwartetes zweites Album, das nach unzähligen Live-Konzerten ein Update in Sachen Dritte Hand liefert. Diese Band ist eben auch auf Platte nicht zu verachten. Mehr noch: Nun haben sie damit ein Referenzwerk in Sachen Dialektrock hingelegt. Wer sich selbst überzeugen möchte: Am 3. März 2020 wird das Album live im Wiener Chelsea präsentiert, Liz Metta spielt Support.

Link: http://drittehandmusik.at/