Claire Rousay fabriziert elektronische Musik, die den Angestelltenalltag untermalt. Postmoderne Pastoralen, sozusagen. Es fiept, sirrt und brummt leise. Musik als synthetischer Ausdruck oder ästhetischer Verstärker der maschinellen Hintergrundgeräusche in urbaner Umgebung. Nicht die Grillen zirpen, sondern der Kühlschrank, während ich mich beim Blick aus dem Fenster müde an der Kaffeetasse festhalte. Das Fenster könnte mal wieder geputzt werden, aber keine Zeit, weil gleich ist Online-Meeting! Bis es so weit ist, rascheln und knistern die sorgsam organisierten akustischen Signale von Claire Rousay via Smartphone aus dem Bluetooth-Lautsprecher und beim Blick aufs Display, um die Zeit zu ermitteln, die noch bleibt, bis die Arbeit im Homeoffice beginnt, fällt mir auf, dass das Artwork des Albums an Franco Battiatos »Clic« angelehnt ist. Ob das Zufall ist? Sicher nicht, denke ich und bleibe für einen Augenblick an dem Gedanken hängen, dass im Vergleich Battiatos Album stellenweise deutlich lebhafter und forscher klingt als Rousays sehr zurückgenommene und emotional verhaltene Kompositionen. »Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie mal war«, seufze ich innerlich, doch bevor ich einen kulturpessimistischen Koller bekomme, meldet sich die Gegenwart per Audiosignal aus dem bereits startbereiten Laptop: Das Meeting beginnt! Musik aus! Arbeit an!
Claire Rousay
»On Holding«
Quality Sound Limited
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