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Joshua Burkett

»M/B/Too/4/T/&/M«

Futura Resitenza

Der Pressetext zu diesem Album nimmt nostalgisch Bezug auf die Zeit, als Musik, die dann unter dem Sammelbegriff »New Weird America« zusammengefasst wurde, für einige Aufregung im musikalischen Underground und darüber hinaus sorgte. Musiker*innen wie Devendra Banhart oder Joanna Newsom entwuchsen dieser Nische, andere hatten nie Ambitionen, Indie-Stars zu werden. Zur letzteren Kategorie gehört Joshua Burkett, der nicht nur als Musiker in der Szene bekannt ist, sondern auch das einschlägige Mystra-Label betreibt, das seit bald 20 Jahren besteht. Die Lieder, die er spielt und die sich auf »M/B/Too/4/T/&/M« versammelt finden, entsprechen alle der verhuschten, mild psychedelischen und mithin naiv anmutenden Ästhetik der erwähnten musikalischen Bewegung, die ihrerseits Ausdruck der langen Outsider-Musik-Tradition ist, die über die vergangenen Jahrzehnte hinweg nicht nur in den USA einen renommierten Schattenkanon hervorgebracht hat. Musiker*innen wie Mark Fry, Skip Spence, Vashti Bunyan, Michael Hurley, Sibylle Baier, Michael Yonkers oder Linda Perhacs sind noch die bekanntesten unter ihnen und an verloren geglaubten, obskuren Artefakten (Privatpressungen in Kleinstauflagen) mangelt es nicht – man muss sie allerdings finden und bezahlen können oder schaut sich nach mittlerweile recht leicht erhältlichen Wiederveröffentlichungen um. Man kann sich aber auch in der Gegenwart orientieren und dann zu Joshua Burkett greifen. Seine musikalischen Miniaturen, mal mit Gesang, mal ohne, reihen sich wunderbar in den zitierten Katalog ein und erweitern ihn um ein paar versponnene Ideen. Die Aufnahmequalität der Lieder entspricht dem allgemein bescheidenen Gestus seiner Musik. Wer braucht denn bitteschön ein Tonstudio, wenn man stattdessen gemütlich auf der Couch, in der Küche oder auf der Veranda seinen künstlerischen Eingebungen Ausdruck verleihen kann? Die so eingefangene intime Atmosphäre kennzeichnet »M/B/Too/4/T/&/M« und der kryptische Titel trägt ebenfalls zum eigentümlichen Charakter der Aufnahmen bei. Das ist alles ganz zauberhaft und auch eine schöne und jederzeit willkommene Erinnerung daran, dass Musik keinerlei Schnickschnack bedarf. Im Gegenteil: Es ist der aufs Minimum reduzierte, unverstellte und direkte Ausdruck, der berührt, ohne klebrig zu wirken. Free Folk is not dead! 

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
08.10.2026

Schlagwörter

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