»Wendy and Lucy«

Vom Rand der USA: Der neue Film der Independent-Regisseurin Kelly Reichardt spielt in Oregon. Eine junge Frau in prekärer Lage rutscht noch weiter ins gesellschaftliche Abseits.

Eine junge Frau, Wendy, ist auf dem Weg nach Alaska, dort will sie einen Job finden. Sie fährt mit irgendeiner alten Karre Richtung Norden, begleitet von ihrem Hund Lucy. Sie übernachtet in ihrem Auto, denn ihr »Reisebudget« ist gering. In einem Notizbuch notiert sie jede einzelne Ausgabe. Ein paar hundert Dollar machen ihre Barschaft aus, damit muss sie auskommen. Irgendwo in Oregon gibt ihr Wagen den Geist auf, die Reparatur stellt sich als unleistbar heraus. Um ein bisschen Geld zu sparen, klaut Wendy Hundefutter, sie wird erwischt, angezeigt, stundenlang auf einer Polizeistation festgehalten. Als sie freikommt, ist Lucy verschwunden. Wendy macht sich auf die Suche nach ihr, ihre »Reise« will sie erst fortsetzen, wenn sie ihre vierbeinige Begleiterin wieder gefunden hat.

Nicht weinen

Kelly Reichardts Film zeigt die paar Tage, während derer die Heldin in einer namenlosen Allerweltsstadt gestrandet ist. Was vorher war, wird kaum angedeutet, was danach kommen wird, bleibt offen. Klar ist, dass Lucy aus keiner begüterten Familie stammt, dass sie nicht aus Abenteuerlust unterwegs ist. Die Geschichte einer jungen Frau ohne Job, ohne festen Wohnsitz, ohne soziales Netz wird ohne Schnörkel, fast undramatisch erzählt. Michelle Williams (als Wendy) trägt durch ihre zurückgenommene Darstellungsweise stark dazu bei, dass der Film kein Tränendrüsendrücker wurde. Wendy ist eine Frau, die einiges wagen muss, um ihre Existenz zu retten, sie ist vorsichtig und sie erlaubt es sich nicht, völlig zu verzweifeln. Dabei ist sie nicht tough, sondern vernünftig, (lösungsorientiert nennt man das übrigens im Stellenanzeigenjargon).

Nicht aufgeben

Die Independent-Filmerin Kelly Reichardt orientiert sich vor allem am italienischen Neorealismus und am deutschen Film. Besonders die Arbeiten Rainer Werner Fassbinders gibt die Regisseurin als Referenz an. Stilistisch erinnert »Wendy and Lucy« aber auch an US-Filme der späten 60er- und frühen 70er-Jahre wie etwa Barbara Lodens »Wanda« oder John Hustons »Fat City«, aber auch an die kargen Meisterwerke Monte Hellmans. Ungleich deren kraft- und ziellos driftenden HeldInnen weiß Wendy, was sie will und kämpft. Darin mag ein vager Optimismus zum Ausdruck kommen.

»Wendy and Lucy« (R: Kelly Reichardt; USA 2008. Mit: Michelle Williams, Will Patton, Will Oldham u.a. Musik: Will Oldham)

Ab 8.5. in österreichischen Kinos

>> www.stadtkinowien.at
>> www.wendyandlucy.com