»Underwater Love - A Pink Musical«

Edeltrash made in Japan mit deutscher Beteiligung. Ein skurril-poppig-witziger Mix aus Low-Budget-Fantasy, Soft-Porno und viel Musik.

Der Tod (eigentlich der Todesgott) ist ein kettenrauchender Hippie im bunten Ringelkleid und Badeschlapfen und trotz lächerlicher Aufmachung ist sein Geschäft auch in »Underwater Love« ein ernstes. Wenn er auftaucht, muss jemand diese Welt verlassen. Vielleicht aber lässt sich der Typ doch austricksen und: Ist nicht die Liebe stärker als der Tod? Mit diesen tiefsinnig-trivialen Fragen befassen sich uralte Mythen und seichteste Soap Operas. Und wenn ein japanisches Softporno-Musical, in dem der Tod und die Liebe eine zentrale Rolle spielen, mythologische wie unterhaltsame Elemente verwendet schlie&szligt sich sozusagen ein Kreis. Das klingt nach kopflastiger, überkonstruierter Filmerzählung, doch genau das ist »Underwater Love« eben nicht. Die Story folgt keinen verschlungenen Handlungsfäden und bemüht keine bedeutungsschwere Metaebene. Lustvoll werden verschiedene Genres verbunden und unterhaltsame, wenn auch nicht massenkompatible, Kost geboten. Signifikanterweise zappelt zu Beginn des Films ein quicklebendiger Fisch in der Verarbeitungshalle einer Nahrungsmittelfirma, das Tier wird von einer Angestellten gerettet, indem sie es ins Meer entlässt. Kurz darauf taucht ein Totgeglaubter bzw. seine Reinkarnation auf, der wiederum einen Menschen vor dem zu frühen Hinscheiden retten will, was sich als schwieriger erweist als die Rettung besagten Fischleins.

Softpopporno mit Mythenwesen

Im Untertitel führt der Film die Spezifizierung »A Pink Musical« – womit die Gattungen Liebesfilm und Musical angesprochen wären. Pink Films sind eine besondere Form von Softpornos, die in Japan ab den 1960ern entstanden. Es sind Low-Budget-Produktionen unabhängiger Firmen, die den Filmemachern Freiheit für Experimente und Genreüberschreitungen erlauben. Au&szligerhalb Japans sind die kultigen Pinkfilme kaum bekannt, die internationale Produktion »Underwater Love« verhilft dem schrägen Genre vielleicht zu einer weltweiten Fangemeinde. Wobei der Film gar nicht so typisch pink ist. Einerseits durch das relativ hohe Budget, andererseits durch die Verknüpfung mit dem Musical. Komponiert und eingespielt wurde der musical score von Stereo Total (Mme Cactus singt auf Japanisch). Für die Kameraarbeit konnte übrigens Christopher Doyle gewonnen werden, der u. a. schon für Wong Kar Wai und Gus van Sant filmte. Der Regisseur Shinji Imaoka nennt z. B. »The Sound Of Music« und »Dancer In The Dark« als Referenzen. Allerdings geht es in dem »Pink Musical« nicht ganz so melodramatisch zu wie in den genannten Werken. Als die Fabriksarbeiterin Asoka ihren verstorbenen Jugendfreund, der als Kappa (ein wassermannartiges Fabelwesen) wiedergeboren wurde, trifft, ergeben sich komisch-absurde Situationen und Gelegenheiten plötzlich in Tanz und Gesang auszubrechen.

»Underwater Love – A Pink Musical« (»Onno No Kappa«). Japan/Deutschland 2011. Regie: Shinji Imaoka. Kamera: Christopher Doyle. Musik: Stereo Total. DarstellerInnen: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Narita, Mutsuo Yoshioka u. a.

Ab 16.12. im Schikaneder Kino