Thurston Moore, Wiener Stadtsaal, 3.8.2012.

Was macht man, wenn man Teil einer prägenden, stilbildenden und noch dazu einer der au&szligergewöhnlichsten Bands ist, nachdem sich diese aufgelöst hat? Es steht ja jenen Menschen, die ohne Businessplan kraft Kreativität ihre lebens- und existenzschaffenden Grundlagen bildeten, nicht frei, als General Assistant Manager in einer Fastfoodkette zu jobben. Was also tun nach dem Ende? Genau: Weitermachen, mit dem, was man gut kann.

Nach Trennung bei seinen Leisten zu bleiben, führt manchen Schuster zu grauslichen Verwertungstouren (siehe Pixies und Frank Black) oder neuen Ufern (Gedichte, Bücher, Kunst, Töpfern), Thurston Moore aber immerhin zu dem guten dritten Soloalbum »Demolished Thoughts«. Welch selbiges, obschon bereits 2011 erschienen, der Meister zu präsentieren nun, neben seiner Labeltätigkeit (Ecstatic Peace!) und gerüchteweiser Kollaboration mit der Black Metal-Supergroup Twilight, Zeit fand.

So begab sich an einem hei&szligen Augustabend eine getreue Menge in den Stadtsaal zu Mariahilf, aufgeräumt und erwartungsfroh, zu sehen was sie vorab brav gehört hatten. »Demolished Thoughts« lohnt tatsächlich jeden Durchlauf, gerade weil es gelassen Abschied vermittelt. Von Liebe, Sommer und elektrischer Verstärkung. Einige beschlichen zarte Bedenken ob der Location, denn natürlich ist ein derartiger Saal bestuhlt, besamtet und überhaupt sehr sittsam. Wie dann auch die Gäste selbst, die schon vor Auftritt brav klatschten, nicht wenige in Sonic Youth-T-Shirts (gegen den Trennungsschmerz?) und viele in gediegener Stimmung. Vor samtschweren Vorhängen, statischer Beleuchtung und artig Sitzenden begann dann auch ein recht nettes Konzert. Moores Songwriting und Instrumentieren ist bekannt, und gut natürlich, Samara Lubelski an der Geige bemüht sich um sphärischen Widerpart, Schlagzeuger John Moloney arbeitet brav, aber arg eingängig, und Keith Wood, Gitarre Nummer zwei, wei&szlig auch was sich gehört. Nämlich zusammen als Chelsea Light Moving eine neue Band Moores sein und dessen Soundwelt zu transportieren.

Ein Song wie »Burroughs« haut dann recht schön rein, bevor wieder Akustisches gespielt wird, aber, hier darf natürlich nichts laut sein. Die Anwohner sicher, gelingt wohlwollende Anbetung besser in Ruhe. Die folkigen »Circulation« und »Illuminine« passen da auch gleich besser in das allgemein um sich greifende Pfarrsaalambiente. Selbst als eine Saite seiner Gitarre rei&szligt, und Moore launig nach einer Kettensäge zur Entfernung fragt, kommt nur wohliges Gurren von unten und fern gemahnen alle folgenden Bemühungen an etwas, was einmal wirklich laut, neu und klasse war. Und vor allem adäquat beschallen konnte. »Why do people not stand up?«, fragt die Frau am Merchandise irritiert. »They feel very alone up there on the stage right now. Does nobody know Sonic Youth here?«. Nun ja, Legenden müssen eben auch einsam sein, und nein wirklich, dies ist ein nettes Konzert. Wobei »nett« bekanntlich die kleine Schwester von Schei&szlige ist. Oder artiger gesagt: Der Stadtsaal ist gut. Thurston Moore ist gut. Zusammenbleiben sollten sie aber nicht.