»To The Night« © Freibeuter Film

The drugs don’t work

In »To The Night«, dem dritten Langspielfilm von Peter Brunner, brilliert Star Caleb Landry Jones in einer sonst nur mittelmäßig interessanten Reise durch die verfluchte Seele des Protagonisten.

Norman, gespielt von Caleb Landry Jones, verlor seine Eltern, als ihr gemeinsames Haus abbrannte. Als einzigen Überlebenden plagen ihn deshalb als jungen Vater heftige Schuldgefühle, die sein Leben zur Qual machen und die Beziehung zu Penelope (Eleonore Hendricks) fast verunmöglichen. Tiefe Zuneigung lässt Penelope weiter an Norman glauben, trotz dessen kranker Psyche und Gewaltausbrüchen. Stoff für eine interessante Story.

Spiel mit Feuer
Spielort ist Brooklyn. Da treibt sich Norman mit Künstler- oder Junkiefreunden herum, macht Kunst, nimmt Drogen. Das Leben von Künstler*innen in Brooklyn besteht hier vor allem aus Ketamin-Partys und Trinken. Unter seines- und ihresgleichen wird man akzeptiert. Hauptfigur Norman scheint die Kunst als Mittel zu verstehen, um seine persönlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Das zeigt sich beispielsweise in seinen für Außenstehende exzentrischen, aber eher uninteressanten, pathetisch wirkenden Experimenten mit einem Modell des Hauses, in dem seine Eltern umkamen. Zudem ist er besessen von Feuer, dem Element, das ihm seine Eltern nahm und ein Trauma fürs Leben bescherte. Er spielt ständig mit Feuer, brennt irgendwas an mit einem Bunsenbrenner und so weiter.

»To The Night« © Freibeuter Film

Es bleibt seicht
Caleb Landy Jones, der ausschaut wie Macaulay Culkin in seinen schlechtesten Phasen, spielt wirklich gut, keine Frage. Äußerst glaubwürdig verkörpert er diese Existenz am Rand des Wahnsinns und über ihn hinaus. Doch man muss sich unweigerlich fragen: Ist das nicht doch ein wenig zu dick aufgetragen? Ein Künstler, der seine PTD (Post Traumatic Depression), teilweise kaum oder gar nicht zurechnungsfähig, durch Kunst, im Schaffen zwischen Exzessen, Selbstzerstörung und Manie herummäandernd, selbst heilen will? Das alte, romantische Bild des getriebenen Künstlers. Die Wirklichkeit ist wohl meist weniger dramatisch, aber geschenkt. Zu Beginn des Films sieht man ihn bei einer Ausstellung, wo er seine morbiden Arbeiten zeigt. Bei einem seiner vielen Experimente, in denen er sich zurück in den Zustand des Kindes bringen will, das er einmal war, kommt zum Ende noch sein bester Freund um – er verbrennt. Weder war das besonders schlau, noch ersetzen der Dreh von artsy Filmen oder Ketamin-Überdosierungen eine tiefenpsychologische Behandlung. Der Film geht leider nicht so tief, wie er vorgibt, es zu tun.

»To The Night« © Freibeuter Film

Narzisstische Kunst
Die Kunst vieler (junger) Menschen (im Film) scheint sich vor allem um sich selbst zu drehen, was im Grunde nicht schlecht ist, wenn sie sich dabei nicht bloß im Kreis drehen würden, sondern auch über den Rand des Karussells hinaussähe. Das macht die Kunst von Norman auch recht fad, handelt sie doch vor allem davon, wie er sich selbst in seinem Leid bewegt und nicht davon abstrahiert, somit relativ unzugänglich bleibt. Man sieht einem Mann zu, der ständig an sich selbst scheitert, seine Umgebung und das Vertrauen seiner Frau zerstört. Am Ende des Films verkauft die Mutter seines Kindes, Penelope, Normans Elternhaus, das er Zeit seines Lebens mit sich »herumgeschleppt« hat, und der Spuk hat wohl ein Ende. Warum nicht sofort?

Man kann den Film von Regisseur Peter Brunner als eine Kritik an einer Generation von Künstler*innen sehen, deren künstlerischer Antrieb nicht einem über das Individuum hinausgehenden, gesellschaftlichen Ganzen oder dem Willen nach einer größeren, abstrakten Wahrheit entspringt, sondern ganz persönlichen Problemen. Um diese zu behandeln, sollte man – im Falle von Depressionen – möglicherweise lieber auf professionelle Hilfe zurückgreifen.