Dass François Ozon ein Faible für starke Frauen besitzt, dürfte spätestens seit seiner Krimisatire »8 Femmes« (2002) offensichtlich sein. In fast allen Filmen des französischen Regisseurs stehen weibliche Protagonistinnen im Mittelpunkt und in »Potiche« verkörpert Catherine Deneuve die Hauptrolle der Suzanne Pujol. Als Ehefrau des Regenschirmfabrikanten Pujol (Fabrice Luchini) übernimmt sie die Leitung der Firma als der Gatte krankheitsbedingt das Ruder abgeben muss. Zunächst bringt sie die streikenden Arbeiter zur Ruhe, lädt ihre erwachsenen Kinder zur Mitarbeit und modernisiert das Werk. Später steigt sie als parteilose Kandidatin in die Politik ein und ist auf Anhieb erfolgreich. Das Ganze spielt im originalgetreuen Dekor und Kostümierung der 1970er-Jahre. Und nicht zufällig erinnert der Film an die erfolgreichsten Leinwand-Lustspiele jener Zeit: Nämlich an den Klamauk des Louis de Funes. Ozon gibt an, die Figur des Fabrikanten Pujol an die tyrannisch-cholerischen Typen, die Funes verkörperte, angelehnt zu haben. ?ber bloßen Klamauk geht »Potiche« jedoch hinaus. Nicht zuletzt wegen der DarstellerInnen. Allen voran natürlich die Deneuve und Gérard Depardieu. Letzterer steht Madame Pujol als kommunistischer Bürgermeister beratend zur Seite, nebenbei erhofft sich der Junggeselle eine gemeinsame Zukunft mit ihr. Die Dates der beiden stellen die nettesten Szenen des ganzen Films dar.
Leichtfüßig statt platt-peinlich
Als Vorlage zu Ozons Film diente ein Theaterstück, dessen Hauptrolle ganz auf die Komödiantin Jacqueline Maillan zugeschnitten war (welche die Madame Pujol auch 1983 in einer TV-Adaption darstellte). Ozon baute die Nebenfiguren aus, z.B. die der Sekretärin Nadège (Karin Viard), die sich aus der Rolle der ergebenen Angestellten und Geliebten des Direktors befreit und Seite an Seite mit Suzanne Pujol kämpft, die ihrerseits dem Dasein als dekoratives Hausmütterchen entwächst. Die Geschichte der Emanzipation biederer (Haus-) Frauen in eine launige Komödie verpackt, ist wohl kaum Anstoß für Diskussionen um Frauen-/Männer-Rechte etc. »Potiche« ist sicher kein Meilenstein feministischen Kinos. Aber, Ozon zeigt, dass eine Emanzipationskomödie (etwa im Gegensatz zu heimischen Produkten wie Schwabenitzkys platt-peinlichen Elfi-Eschke-Vehikeln) durchaus leichtfüßig und intelligent sein kann.
»Das Schmuckstück – Potiche«: Frankreich 2010. Regie: François Ozon. DarstellerInnen: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Jérémie Rénier, , Judith Godrèche, Karin Viard u.a.
Derzeit in österreichischen Kinos