Black Biuti © Barbara Brandstätter

Musik von Frauen sichtbar machen

A Stage Of One’s Own: Die Initiative Fraufeld veröffentlicht die zweite Sammlung von Kompositionen auf dem neugegründeten Label arooo. Diese wurde 2019 in der Wiener Sargfabrik vorgestellt und überzeugt. Eine kurze Vorstellung des Projekts.

Virginia Woolf veröffentlichte 1929 den Essay »A Room Of Oneʼs Own«, in welchem sie semi-autobiographisch die Voraussetzungen beschrieb, in der es einer Frau ermöglicht sei, große Kunst zu schaffen. Und dazu zählen laut Woolf, einer zu Lebzeiten bereits anerkannten und zum Glück aus familiären Gründen gut situierten und emanzipierten Frau, ein eigener Raum und genügend Geld. Also all das, was zumeist nur Männern vorbehalten war. Eine Trennung, ein Rückzug ins Private war meist kaum möglich, genug Geld ebenso wenig. Heute ist geistige Unabhängigkeit zum Glück einigermaßen möglich und künstlerisch tätig sein wird immer günstiger. Doch hunderte Jahre Musikgeschichte können nicht in ein paar Jahrzehnten völlig über den Haufen geworfen werden. Das Musikbusiness denkt stets in klassischen Schubladen, ist von den Marktregeln abhängig und die bereits existierende, reale Vielfalt kann so nicht in die Öffentlichkeit gelangen. Jede*r weiß, dass es Künstler*innen schwer möglich ist, Kunst zu schaffen, ohne auch im Austausch mit der Öffentlichkeit zu stehen und ihr Schaffen zu produzieren. So möchte das Label arooo den beiden Forderungen Woolfs in gewissem Sinne eine weitere hinzufügen, nämlich die Forderung nach Öffentlichkeit.

Emily Stewart und Asja Valcic © Barbara Brandstätter

Im Netzwerk gegen etablierte Strukturen
Das Label arooo möchte nun zeitgenössischen Formen von Improvisation und Komposition nicht nur, aber vor allem von Frauen zu Raum und Öffentlichkeit verhelfen. Und dabei wird es schon politisch: Es geht um Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Vielfalt und vor allem Solidarität. Damit funktioniert arooo auch als ein Netzwerk von Künstler*innen, die sich gegenseitig unterstützen, bestärken, Rat geben in einer Welt, in der man oft allein unterwegs und vor allem von Männern umgeben ist. Den Strukturvorteil dieser Hälfte der Szenezugehörigen heißt es zu bekämpfen. Es kann einem leichter fallen, Entscheidungen zu treffen, wenn auch Künstlerinnen als Vorbilder fungieren können. Dafür ist arooo da. Und der Sampler »Fraufeld Vol. 2« ist bereits der zweite dieser Art, auf dem das Label eine Vielzahl von Artists Raum bzw. Bühne bietet.

Katharina Ernst © Barbara Brandstätter

Das Zelebrieren musikalischer Diversität
Etwa vierteljährlich findet ein Stammtisch statt, der als Treffpunkt für alle Interessierten gilt, um sich informell auszutauschen. Im Oktober 2017 präsentierte man die Erstausgabe der bereits zu Beginn als langfristiges Projekt angelegten Serie im Echoraum. Die Veröffentlichung der zweiten Scheibe wurde am 18. Juni 2019 in der Sargfabrik Wien zelebriert. Vol. 2 enthält weitere elf Nummern von Künstlerinnen der Gruppe. Und die sind einerseits so divers, wie man es sich nur wünschen kann, und zugleich keineswegs so trocken, wie die Bezeichnung »zeitgenössische Komposition« vielleicht befürchten lässt. »x_08« von der manchen bereits bekannten Katharina Ernst ist ein Stück mit Schlagzeug, das einen leichten Einstieg ermöglicht. »Cardio FM« von Mona Matbou Riahi lässt Klarinette und diverses Spielzeug hören, verspielt und frisch klingt das. Mit Emily Stewarts »Bruma – Perpetuum Mobile« ist eine eher klassische Komposition vertreten, die an Arvo Pärt erinnert und doch ihre sehr eigene Dynamik hat. Und so geht es immer weiter. Christina Rufs »Meerschaum« ist eine mit dem Cello vorgetragene Ambient-Komposition und ein weiteres Beispiel dafür, wie weit der Begriff »Moderne Komposition« gefasst ist. Zum Ende hin geht das Duo Black Biuti in eine etwas härtere Richtung, beim Stück »noiseau« von Mutt/Mayr/Hackl sind die Grenzen zum Free Jazz und Post-Rock fließend. Die erste Veröffentlichung des Labels arooo (neben »Fraufeld Vol. 1«) lässt hoffen, dass noch mehr von dem, was hier bereits zu hören ist, sichtbar werden wird.

Link: http://fraufeld.at