Maximilian Hecker - 15. 2. 2005 - WUK

Diagnose Leptosomie – an Fadesse vorbeischrammen und doch dafür geliebt werden…

Warum muss ein junger Mann wie Maximilian Hecker eigentlich ein ganzes 80-Minuten- Konzert im Sitzen spielen? Bei den piano-begleiteten und den auf der Akustikgitarre gezupften Stücken ist das ja noch irgendwie nachvollziehbar, bei den locker geklampften Songs gibt’s dann aber wirklich keine Ausrede mehr. Vor allem wenn man bedenkt, dass andere Altspatzen, denen man die bequeme Schonhaltung gerne zugestehen würde, sich nach wie vor wacker auf den Solettibeinen halten (bis zuletzt Johnny Cash, BB King …). Aber egal, daran sollte es nicht scheitern, nur hätte die Körperhaltung des Homo Erectus möglicherweise auch dem Gastspiel im WUK etwas mehr Pfeffer verpasst. Die Pose des introvertiert Leidenden ist schön und gut, nur ein wenig gerechter Zorn wird im Popgeschäft auch gern gesehen! Versteckt hinter dem Keyboard, dessen Output zwischen Schlafes-Bruder-Orgel und so manch kleiner Wilderei in den Jagdgründen von Richard Clayderman oszilliert (die Passagen, in denen im Publikum am meisten geredet wird), spielt sich der Wahlberliner durch eine gelungene Auswahl seiner bisher drei Veröffentlichungen, unter besonderer Berücksichtigung des aktuellen Opus »Lady Sleep«.

Die engagierten Rhythmussklaven scheinen leider kaum Interpretationsfreiheit zu genießen, wie deren Anwesenheit überhaupt eher im zeitlichen Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung verkümmert. Nicht, dass das falsch verstanden wird: Die Band steht äußerst solide im Dienste ihres Brötchengebers, leider führt dabei das Schlagzeug über weite Strecken eine flauschige Filzpantoffelexistenz. Mit Fortdauer der Show kommt schließlich auch von dieser Seite so manche räudigere Noise-Attacke – welche den feinen Unterschied zwischen einer Live-Performance und dem zurückgezogenen Lauschen der Studioaufnahmen ausmachen sollte.

Hecker selbst gibt wieder mal den idiosynkratischen Genius, der zweifellos über großes Talent verfügt, das in vielen Momenten in ein allzu strenges Korsett eingeschnürt wirkt. Gegen Ende zieht der Mädchenschwarm dann auch noch ein Stück ohne seine über die gesamte Distanz doch ein wenig anstrengende Kopfstimme aus dem Köcher, was zu der Frage Anlass gibt, warum er seine wunderbare »normale« Simme nicht öfter aus dem Käfig lässt. Die einen sagen dazu »Stil«, die anderen »schlechte Gewohnheit«… Wie auch immer, am Merchandisingstand, wo die Band CDs und LPs signiert, kommt es dann noch zu so manchem beherzten Künstler-Fan-Kontakt, der den leptosomen Multiinstrumentalisten dann doch nicht ganz so unnahbar erscheinen lässt. Nur was war da eigentlich mit der Setlist?