Liquide Geräuschwände

Ein Blick auf die sound-zentrierte Performance des chilenisch-niederländischen Künstlers Rodrigo Sobarzo de Larraechea »APNEA« bei der Young Choreographers‘ Schiene [8 : TENSION] des ImPulsTanz Festivals in Wien.

Die mächtigen Geräuschwände, die Larraechea gleich zu Beginn seiner Performance in dem riesigen Altbausaal des Odeons im zweiten Bezirk entstehen lässt, bringen die Ohren des Publikums teilweise an das Schmerzlimit. Schicht für Schicht legt er mittels Synthesizer und Loop-Gerät – zentrale Gegenstände auf der Bühne – Töne und Klänge aufeinander, die in ihrer Rohheit und ihrem willkürlichen Rhythmus die Grenzen zwischen Musik und Lärm ordentlich verschwimmen lassen.

Dieses Experiment steigert sich immer mehr, es wird unerträglich laut. Erleichterung stellt sich erst ein, als Larraechea die einsame Lautsprecherbox in der Mitte der minimalistisch sterilen Bühne in einen Plastiksack einpackt, Löcher hineinbeißt und den Lautsprecher daraufhin so lange mit Erde zuschaufelt (oder beerdigt?), bis er vollkommen unter einem braunen Erdkegel verschwunden ist und nur mehr die – mittlerweile abgedämpften – diffusen Klangformationen seine Existenz verraten. Abrupt lässt er, nachdem die Arbeit mit Schubkarre und Schaufel vollbracht ist, die Musik abbrechen, worauf die Stille umso einschneidender wirkt.

Dann schlägt er mit den Händen auf die im Hintergrund angebrachte dünne Plastikwand, erzeugt so Wellen und imitiert eben gehörte rhythmische und unrhythmische Geräusche. Man beginnt, die Szenerie mit Wasser zu assoziieren. So gesehen könnten die Schallwellen, verbildlicht durch die Folie, als Ausdrucksmittel für Wasser dienen, so als befänden uns unter einer imaginären Wasseroberfläche: daher »APNEA«. Luftanhalten! Nur gegen Ende der einstündigen Performance verliert alles an Kraft, Rauch und Laser überladen das minimalistische Bühnensetting und der fette Sound büßt an Dringlichkeit ein.

 

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Foto: Christine Brorsson