Klang der Stille (Copying Beethoven)

Agnieszka Holland meisselt das Portrait Ludwig van Beethovens in seinen letzten Lebensjahren. Dem schroffen Genie stellt die Regisseurin eine junge Dame zu Seite, die ebenfalls komponieren möchte.

Ein Faible für historische Stoffe kann Agnieszka Holland nicht abgesprochen werden. Für Andrzej Wajda, der als ihr Mentor gilt, verfasste sie das Drehbuch zu »Danton«, in ihrem Film »Total Eclipse« befasste sie sich mit der Beziehung von Verlaine und Rimbaud, in die Zeitgeschichte führt »Hitlerjunge Salomon. »Copying Beethoven« bezeichnet Holland als Herzensprojekt. Akribisch wurde ein Ambiente des frühen 19. Jahrhunderts nachgestellt, ausschließlich Materialien jener Zeit wurden verwendet. So entsteht doch etwas wie eine authentische Atmosphäre – allein mit dem Schönheitsfehler, dass die Dreharbeiten großteils in Sopron stattfanden, dessen markantes Stadtbild sich doch erheblich von Wien unterscheidet.

Grantig, aber genial

In der Rolle Beethovens sehen wir den in der Darstellung polternden Männer erprobten Ed Harris (siehe beispielsweise: »Pollock«), der sich hier wieder bärbeißig und rücksichtslos, dafür aber hochgenial geben darf. Eben so wie man’s kennt vom alten Ludwig van. Zur Story: Der grumpy old man unter den Komponisten Wiens sucht dringend jemanden, der seine musikalischen Aufzeichnungen ins Reine schreibt. Ausgerechnet eine junge Dame wird bei ihm vorstellig, um diese Aufgabe zu übernehmen. Beethoven traut ihr höchstens zu, seine Wäsche zu versorgen, doch die körperlich zarte, aber willensstarke Anna Holz erweist sich ausgezeichnet musikalisch gebildet und arbeitet zur vollen Zufriedenheit des Meisters. Zudem bietet die junge Frau dem alten Grantler Paroli und lässt sich dessen Unhöflichkeiten nicht gefallen. Die Konstellation ist unschwer erkennbar als eine a la Heidi und Alp-Öhi. Und so lernen beide Teile voneinander.

Große Musik

Abgesehen davon, dass Beethoven vermutlich selbst schon an der Klischeeisierung seiner Person arbeitete, gelingt Holland wiederum ein rein klischeehaftes Bild des Komponisten. Immerhin ist dem Film zugute zu halten, eine Lanze für klassische Musik zu brechen. Weitaus interessanter als die Perpetuierung des Beethoven-Stereotyps scheint jedoch die Geschichte der fiktiven Anna Holz, die von Diane Kruger (»Troja«) dargestellt wird. Die Erzählung um eine junge Frau, die Komposition studiert und die gegen Widerstände in ihrer Umgebung und vor allem gegen das Nicht-Ernst-Genommen-Werden kämpft, fasziniert durchaus. Es bleibt der Wunsch, dem Thema komponierende Frauen würde filmisch (und auch sonst) öfter Raum gegeben werden.

»Copying Beethoven/Klang der Stille« R: Agnieszka Holland, USA/Deutschland 2006, D: Ed Harris, Diane Kruger, Matthew Goode u.a.

Ab 13.April in österreichischen Kinos
Soundtrack: »Klang der Stille« erschienen bei Decca