Sea Shepherd © Terra Mater Factual Studios

Kampf gegen Umweltzerstörung als Kampf gegen das Kapital

Dem österreichischen Filmemacher Richard Ladkani (»Elfenbein – Das Weiße Gold«) gelingt mit »Sea of Shadows« eine moderne Dokumentation für »National Geographic«, die zugleich filmisch ansprechend ist und mit ihrem thematischen Fokus eine Rettungsaktion der Sea Shepherd über sich selbst hinausweist.

San Felipe, Mexiko. Es sind Aktivist*innen der Sea Shepherd zu sehen, die mitten in der Nacht mit Drohnen, ausgerüstet mit modernen Nachtsichtkameras, über einem Fischfanggebiet kreisen. Im Visier sind Boote, die illegal im Golf von Kalifornien die seltene Totoaba jagen. Das ist ein Fisch, dessen Schwimmblase in China Heilkräfte nachgesagt werden. Diese ist mittlerweile wertvoller als Gold, nämlich bis zu 70.000 Dollar pro Stück. Nebeneffekt: Bei den intensiven Fangvorgängen werden riesige Netze gespannt, Beifang ist also einkalkuliert. Opfer dieser Fangmethode ist u. a. der Vaquito-Wal, ein auf eine Anzahl von nur mehr höchstens 30 verbleibenden Exemplaren geschätztes Tier, das zudem auch nur genau an diesem Ort lebt. Die Sea Shepherd hat es sich nun also zur Aufgabe gemacht, diese illegalen Fangvorgänge aufzuspüren und dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Wie in einem Agententhriller beginnt der Film. An »Sicario« erinnert die Szenerie, den Thriller von Denis Villeneuve, der in gewohnter Blockbuster-Manier den schier endlosen Drogenkrieg an der Grenze von Mexiko und den USA behandelt. Nur, dass hier nicht bloß Hollywood-mäßig mit Klischees gearbeitet wird, sondern – so macht es stark den Anschein – alles echt ist. Dazu gehören Drogenbosse und deren Kartelle, Polizei, Armee und einfache Fischer und deren Familien. Und letztere müssen sich zwischen den zwei Möglichkeiten entscheiden, entweder Teil des umweltzerstörenden Systems der Mafia zu werden oder dem Staat zu helfen, indem sie die Netze der illegalen Fischerei unschädlich machen. Plot-Twist: Armee und Polizei sind natürlich tief mit drin im millionenschweren Geschäft um das »Kokain der Meere«.

Jack Hutton (Sea Shepherd) © Terra Mater Factual Studios

Es ist eine Dokumentation über Gewalt, Korruption, Armut und das – man kann es nicht anders sagen – held*innenhafte Handeln einzelner Aktivist*innen gemeinsam mit ehemaligen FBI-Agent*innen, die laut O-Ton zuvor unter anderem an der Jagd auf Osama bin Laden beteiligt waren. Nun, symbolisch zeigt »Sea of Shadows« die Ausrottung des Wals in Echtzeit. Doch zugleich beschreibt sie den Kampf gegen einzelne Protagonist*innen der organisierten Kriminalität als schier übermächtigen Gegner, nämlich als Teil des korrupten Staats und letztlich des Kapitals. Zudem verstrahlt der Film einen gewissen Zweckoptimismus, denn einzelne Lichtblicke sind zu sehen. Egal ob es am Ende ein Happy End gibt oder nicht, ein wirklich zufriedenstellendes Ende ist sowieso fast ausgeschlossen. Denn Regisseur Richard Ladkani macht von vorneherein deutlich, dass der Kampf vor allem ein symbolischer ist. Es geht nicht bloß um die Rettung der vorm Aussterben bedrohten Vaquita-Wale, sondern um die Erhaltung der Artenvielfalt und des Lebens auf dem Planeten überhaupt. Es ist dem Regisseur gut gelungen, einen effektvollen und spannenden Film zu drehen, der nicht nur unterhaltend ist und an der Oberfläche kratzt, sondern darüber hinaus auf strukturelle Probleme hinweist. Und er zeigt, wie das Kämpfen einiger Weniger doch Wirkung zeigen kann.

Einer der letzten Vaquitas © Terra Mater Factual Studios

Premiere am 12. September 2019 im Gartenbaukino mit anschließendem Q&A mit Special Guest Jane Goodall sowie Regisseur Richard Ladkani und Produzent Werner Köhler. Österreichweiter Kinostart ist Freitag, der 20. September 2019.

Link: http://stadtkinowien.at/film/1164/