John Vanderslice, Kranhalle München, 20. 9. 2011

Seit Wochen ist mir nach purem, amerikanischem Songwriting live. Doch kein Konzert weit und breit in der Stadt. Schlie&szliglich John Vanderslice in der Kranhalle des Feierwerk. Vanderclice ist nicht hundertprozentig was ich will. Aber annähernd. Also gehe ich hin.

Vanderslice befindet sich bereits auf der Bühne als ich reinkomme. Kleine Besetzung. Nur er mit Gitarre und der Schlagzeuger Jason Slota . Der nebenbei auch Moog spielt. Vanderslice wechselt zwischen E-Gitarre und akustischer Gitarre. Und es ist genau das, was ich erwarte: ein hübsches Konzert. Für einen kleinen Kreis von Zuschauern. Für substanzielles, oder mindestens tendenziell substanzielles amerikanisches Songwriting gibt es in München offenbar nicht immer Publikum. Es sind grade mal etwa 30 Leute da. Die Generation in Vanderslices Alter Mitte 40 oder auch darüber fehlt fast völlig. Irritierenderweise haben sich nur einige der Generation der 20-somethings im Konzert versammelt. Gab es nicht auch schon früher diese Konzerte für Insider? John Martyn mit akustischer Gitarre solo und zwei Dutzend im Saal. Aber exzellentes Konzert.

Vanderslice hat nicht ganz die Klasse eines John Martyn. Aber seine Texte sind nicht belanglos und er beherrscht seine Gitarre mindestens passabel. Er leitet in eine poetische Welt, in der auch politische Aussagen Platz bekommen. Er ist manchmal offen regierungskonträr, thematisiert gern provozierend, wie z. B. Pornosucht, und zeigt sich nicht mainstream-kompatibel: »The sky was growing pale / So we held on to the twisted trail / The ground was getting cold / It was too far out to turn around and go home // The moon rose dim above / It was impossible to tell what time it was … « (»White Wilderness«).

Beim letzten Song werden Percussioninstrumente unter den Zuschauern verteilt, Vanderslice und Slota gehen zum Spielen mitten ins Publikum und um alle kreisen lauter Lichtpünktchen. Nettes Konzert.

John Vanderslice gastiert am 7.10.2011 im wiener Haus der Musik  »details