Jellyfish (Meduzot)

In einem poetisch-realistischen Film aus Israel erzählen Shira Geffen und Etgar Keret von Müttern und Töchtern, kleinen Unfällen mit großen Folgen und davon, dass Fremde einem näher sein können als die so genannten Nahestehenden.

»Michaela sagt, sie kann Sonntage nicht leiden, denn da treiben alle Leute wie die Quallen durch den Tag.« Shira Geffen und Etgar Keret sind die Verse aus dem bekannten Element of Crime-Song sicher unbekannt. Aber die Metapher meint dasselbe, nur dass die Personen in »Jellyfish« nicht nur am Feiertag sich treiben lassen. Sich Treiben lassen nicht unbedingt im Sinne von entspanntem Allles-auf-sich-zukommen-lassen, sondern auch sich antreiben lassen von Vorgesetzten und ökonomischen Zwängen und Ansprüchen der anderen und von innerer Unruhe. Keret und Geffen (übrigens auch privat ein Paar) traten bisher vor allem mit literarischen Arbeiten in die Öffentlichkeit, mit »Jellyfish« ist ihnen eine beeindruckender Erstlingsfilm gelungen.

Poesie und Realismus

In den drei lose miteinander verwobenen Geschichten ist ziemlich viel Mythos, Mystik und Symbolismus zu finden, Poesie und Realismus gehen in einander über. Die ProtagonistInnen treffen auf Personen, die zu Helferinnen werden, um anderen näher zu kommen, um mit der eigenen Vergangenheit abschließen zu können. Der Film beginnt mit einem Abschied: Batya (Sarah Adler) trennt sich von ihrem Freund, sie bleibt in ihrer desolaten Wohnung zurück. Dafür liest sie am Strand ein elternloses kleines Mädchen auf, um das sie sich kümmert. Bald darauf verliert sie ihren Job als Kellnerin auf einer Hochzeitsfeier. Ihrer mondänen Mutter gegenüber erwähnt sie das nicht, auch nicht, dass ein Rohrbruch ihre Wohnung flutet. Ihr Vater ist zu sehr mit den Problemen seiner blutjungen Freundin beschäftigt, um zu erkennen, dass seine Tochter Hilfe benötigt. Nach einem Unfall zieht Batya bei einer Fotografin ein, die sich endlich als wahre Freundin entpuppt.

Missverständnis, Einverständnis

Wir begegnen den Frischvermählten Michael und Keren, die ihre Flitterwochen in einem Tel Aviver Hotel verbringen. Keren ist mit den angebotenen Hotelzimmern unzufrieden, ein weiblicher Hotelgast, den Michael zufällig kennen lernt, ist bereit ihre Suite dem jungen Paar zur Verfügung zu stellen. Keren ist eifersüchtig, bis sie das traurige Geheimnis der Frau entdeckt. Die dritte Geschichte erzählt von Malka (Zaharira Harifai). Die alte Dame benötigt nach einem Spitalsaufenthalt Unterstützung. Ihre Tochter Galia (Ilanit Ben Yaakov) heuert die Philipinin Joy (Ma-nenita De Latorre) an, die ihrer Mutter zur Hand gehen soll. Anfangs lehnt Malka ab, doch langsam entwickelt sich vertrauensvolles Einverständnis zwischen den beiden Frauen, die keine gemeinsame Sprache sprechen, aber einander doch verstehen.

»Jellyfish« (R: Shira Geffen, Etgar Keret; Israel/Frankreich 2007)

Ab 25.7.2008 in österreichischen Kinos

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