»La Miséricorde de la Jungle« © Viennale

Im Dschungel des Krieges

Joel Karekezi erzählt in »The Mercy of the Jungle« die Geschichte zweier ruandischer Soldaten zu Beginn des zweiten Kongokrieges, die sich, von ihrer Einheit getrennt, durch den Dschungel und den kaum übersichtlichen Konflikt kämpfen.

»The Mercy of the Jungle« (»La Miséricorde de la Jungle«) spielt im Jahr 1998 in Kivu, einem kongolesischen Territorium. Protagonisten sind jedoch zwei Mitglieder der ruandischen Armee, der kriegsmüde Xavier, fantastisch gespielt von Marc Zinga, sowie der Novize Faustin (Stéphane Bak), die durch Pech von ihrer Einheit getrennt werden und nun wieder Anschluss suchen. Dabei müssen sie der Gnadenlosigkeit des Dschungels gegenübertreten, der sie zum einen zu Hunger und Durst zwingt und Xavier mit Malaria peinigt. Eine andere Gefahr sind Rebellen sowie kongolesische Zivilist*innen, die größten Opfer dieses kaum verständlichen, absurden Konfliktes.

Gemeinsam auf der Flucht vor Rebellen, haben jedoch beide ihre jeweils eigenen Geschichten, die sie antreiben bzw. verfolgen. Xavier ist geplagt von den Gräueln der vorhergegangenen Konflikte des Ersten Kongokrieges, die ihn besonders in der durch die Malaria-Erkrankung ausgelösten Fieberepisode in Form von Halluzinationen quält, der junge Faustin will seine im Krieg ermordete Familie rächen und seine junge Frau wiedersehen. Getrieben von Gewalt und Tod, aber auch mit einem Funken Hoffnung auf bessere Momente, jagen die beiden sehr unterschiedlichen Figuren ihrem Ziel entgegen und kommen sich dabei auch näher.

Es ist im Film nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren, welche Parteien nun gegen wen und für wen sind, wer jetzt wen bekämpft und warum. Doch das ist nicht das Verschulden des Films, sondern liegt vor allem an der Ignoranz der »westlichen Welt«, die für einen Großteil der Konflikte durch ihren mörderischen Kolonialismus Nährboden schaffte. Im Falle von Ruanda und dem Kongo waren es die Belgier, die mit König Leopold I. 1841 die Kolonialisierung des Kongo und von »Ruanda-Urundi« begannen. Sein Sohn König Leopold II. führte diese Gewaltherrschaft fort, seiner rassistischen, menschenverachtenden Gewaltherrschaft fielen schätzungsweise 10 Millionen Menschen zum Opfer.

Der Film ist ein packendes Dokument aus Sicht direkt betroffener Menschen und Karekezi ist eine interessante junge Stimme im kongolesischen Kino. Nicht immer gelingt es ihm, sich von filmischen Klischees zu lösen und die Spannung zu halten. Doch insgesamt ist sein Film nicht nur wichtig, sondern ein lebensnahes Zeugnis eines Konfliktes, der in seiner Brutalität und Sinnlosigkeit übermächtig erscheint.

»La Miséricorde de la Jungle« läuft bei der Viennale 2019 am 28. Oktober um 18:30 Uhr im Urania.

Link: https://www.viennale.at/de/film/misericorde-de-la-jungle