»Four Weeks in June« und IT! Der Golem lebt«

Das Jüdische Filmfestival Wien geht in den Endspurt – am vorletzten Tag waren zwei Filme zu sehen, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Der sozialkritische schwedische Film »Four Weeks in June« und die feine Horror-Trash-Komödie »IT! Der Golem lebt« aus dem Jahr 1967.

Sandra (Tuva Novotny) hat ihren Freund mit einer Schere attackiert, weil er sie betrogen hat. Sie wird zur sozialen Arbeit in der Provinz verurteilt, schlichtet Kleiderspenden und lebt in einem abbruchreifen Haus, das gerade von polnischen Arbeitern renoviert wird. So lernt sie den Bauarbeiter Marek zunächst kennen und später lieben. Einen Stock tiefer lebt eine alte jüdische Frau: Lilly. Sie wehrt sich gegen die Altersheim-Pläne ihrer Tochter und freundet sich mit Sandra an. Die Frauen entdecken Parallelen in ihren Liebesgeschichten und die Kommunikation über Generationsschranken hinweg gelingt. Am Ende klappt es für Sandra auch in puncto Liebe zu Marek.
Regisseur Henry Meyer ist mit »Four Weeks in June« ein gleichsam berührender wie authentischer Film gelungen. Vielleicht nimmt man Sandra die Rolle der gesellschaftlichen Außenseitern auch deshalb ab, weil sie aussieht wie die junge Kati Outinen und eine starke Frau darstellt, die sich nicht unterkriegen lässt. Um Glaubwürdigkeit ist es bei einem weiteren Film an diesem Abend nicht gegangen.

Horror-Trash aus den 1960ern

Ein Golem ist ein Wesen der jüdischen Mystik: Aus Lehm geformt, kann ihm durch Magie leben eingehaucht werden. Der Plot: Pimm (Roddy McDowall), der zwielichtiger Assistent eines Museumskurators, erlangt Macht über einen in Prag geschaffenen Golem aus dem 16. Jahrhundert und setzt die Statue schließlich auch dafür ein, um Widersacher zu ermorden. Pimm, der mit der Leiche seiner Mutter(!) zusammen lebt, wird am Ende verrückt und die Polizei versucht ihn und den Golem mit einer Atombombe zu erledigen. Pimm stirbt, der Golem überlebt und zieht sich ins Meer zurück.
»IT! Der Golem lebt« ist ein wunderbares B-Horror-Movie, das zwar angesichts der Special-Effects des Genres heute kaum zu schocken vermag. Der Film entwickelt unfreiwillig eher komische Momente, zitiert Hitchcocks »Psycho« und hat ein gekonnt langsames Erzähltempo. Zudem sind die Schauspieler hervorragend britisch, was für unterhaltsame 96 Minuten sorgt.
In der Festival-Reihe »Künstliche Wesen: Der Golem« ist am 21. November noch Paul Wegeners »Der Golem, wie er in die Welt kam« aus dem Jahr 1922 zu sehen: Hier geht die Geschichte zurück bis ins Prag des 16. Jahrhunderts und schafft so eine schöne Querverbindung zu »IT! Der Golem lebt«.

»Der Golem, wie er in die Welt kam« (R: Paul Wegener, D 1922, D: Paul Wegener, Albert Steinbrück, Lydia Salmonova)
Filmhauskino Spittelberg, Spittelberggasse 3, 1070 Wien, Beginn: 22:00h

Das Jüdische Filmfestival Wien läuft noch bis 22. November 2007.
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