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Explosions in The Sky – Flex, 25.05.2008

Tierfilme sind wunderbar. Sonntagnachmittags, wenn es draußen regnet und angemessenes Essen verdaut werden muss, Schnitzel, Schweinsbraten, that stuff. Da sind sie herrliche Begleiter in den Dümpel-Zustand aus Müdigkeit, Befriedigung und Sorglosigkeit. Gerne sehen wir dann kleinen Bären beim Klettern, Raben beim listig sein und Wüstenfüchsen beim Ohrenspitzen zu. Und mögen uns diese sonoren Sprecher, untermalt von Musik aus Kitsch und Bombast, die Welt in einfachen Worten erklären: »Nun – Pause – aber kommt der Winter«. Oder so.
Tierfilme sind nicht wunderbar als visuelle Stimulation bei einem Popkonzert. Ganz und gar nicht. Und besonders gar nicht als Hintergrund auf der Bühne bei Explosions In The Sky im ausverkauften Flex. Die tollen Soundwellen und Tempiwechsel der Texaner verkommen zu reinem Greenpeace-Kitsch, wenn kleine schwarze Bären von der Wall flimmern.
Die Spannung der Postrockmeister liegt in den simplen Tonläufen in unendlicher Wiederholung, in den ordentlichen Breaks und Lautstärkenvariationen. Es ist das reine Schöne, es ist die Filmmusik für die Bilder in unseren Köpfen, es ist die Welle die uns an die Brandung schmeißt, es ist eine seltsame Wahrhaftigkeit von Allerweltsmusik im Sinne von universell: Diese Musik ist alle Welt und Teile davon sind in jedem verdammten Song der jemals geschrieben wurde, oder geschrieben wird. Die Leute wissen das und die Abwesenheit von Gesang zu schätzen: In der beinahe weihevollen Stimmung schweigt jeder wie er kann. Kein Gequassel, kein Gegröle, lediglich das Surren der Klimaanlage stört. Allerdings bei weitem nicht so wie die Filme auf den Screens hinten: nach Raben, Bären, Fischen sind sie dann tatsächlich gegen Ende da: Wale. Ausgerechnet. Nein. Schad drum. Weil die Musik war klasse.

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Text
Alice Gruber

Veröffentlichung
02.06.2008

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