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Cheb I Sabbah@artery01 e.cube: eastern eve – 18.11.2005, OST Wien

artery01 präsentierte also den in Francisco lebenden Cheb I Sabbah beim e.cube: eastern eve zum ersten Mal in Österreich. Manu, der organisatorisch leider chaotische Macher von Artery, scheint einen guten Riecher zu haben, denn mit Jamie Lidells Wien-Premiere-Booking war er auch seiner Zeit voraus. Im medialen Hinterwäldler-Land Österreich (»Der Standard« und »Falter« – wichtige Medien, um auf solche Musik aufmerksam zu machen – brachten nicht einmal eine Vorankündigung!) ist dann selbst beim Wiendebüt das Ost leider nicht so voll, wie es der 58-Jährige verdient hätte. In der Bay Area spielt Cheb vor bis zu 5.000 Menschen, denn auf dem dortigen Label Six Degrees hat er einige der wichtigsten amerikanischen Asian Underground-CDs herausgebracht, etwa das »Shri Durga«-Album von 1999, auf dem hindustanische Traditionen symbiotisch mit dubbigen, groovenden und großflächig atmenden Strukturen verwachsen. Remixe usw. sind bis heute Standards eines globalen Fusionssounds. Für »La Kahena«, sein neuestes Vorhaben, ging er nach Marokko, um dort eine CD gemeinsam mit Bill Laswell aufzunehmen, die vor allem die Rolle der Frauen in der arabischen Welt zurechtrücken soll. Deshalb sind darin auch berühmte marokkanische Vokalistinnen enthalten. Und via Wien flog Cheb nach einem Marokko-Aufenthalt in die USA zurück. Nun, im Ost – nach einem Auftritt der ungarischen Combo Pop Ivan, die m. E. zu wenig in den Free Jazz kippte – begleitete ihn erst nach 1.30 Uhr früh ein tunesischer Percussionist, der als wichtige Schaltstelle fungierte, die Tanzbarkeit zu verstärken. Anfangs gab es ein Deja Vu mit Bhangra-Hits, die Hans Kulisch (Pionier in Österreich) so ähnlich schon vor Jahren droppte. In Folge arbeitete sich Cheb vor zu farbenprächtigen, schillernden Tracks, vor allem aus dem Osten dieser Welt, die die Besucher ständig auf dem Floor hielten. Globale Musik, nicht turbogeproppt, sondern in schlichter Rohheit aus dem CD-Player dem Publikum zum Tanz vorgeworfen. Funktioniert simpel und effektiv, vor allem durch das Zutun des Perkussionisten, das den Tracks mehr Leben verlieh. Außerdem ist Cheb ein jahrelanger Profi, der weiß, was das Publikum braucht.

www.chebisabbah.com
www.sixdegreesrecords.com
www.ost-klub.at

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Home / Musik / Konzert

Text
Alfred Pranzl

Veröffentlichung
21.11.2005

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