Felix Kubin zu verreißen fällt schwer, weil man ihn einfach mögen muss. So sympathisch verschroben und dabei so interessant im musikalischen Output ist sonst keiner. Aber ich muss ihn ja auch nicht verreißen, denn ich konnte seinen Abend im Tanzquartier durchaus genießen. Kann sein, dass es wirklich so peinlich war wie alle behauptet haben. Aber das hatte Kubin ja selbst schon vorher nicht ausgeschlossen. Die Performance- und Neue-Musik-Auskenner, die mich umringten, waren jedenfalls entsetzt ob der klaffenden Inhaltsleere und der schülerhaften Choreographie, der von Mama genähten Kostüme und der komplett fehlenden Dramaturgie. Ich jedoch halte dem entgegen: Das ist Rock’n’Roll, Leute! Auf einem Stones-Konzert erlebt Ihr das Gleiche, nur mit schlechterer Musik! Im Stück selbst ging es um Bedienungsanleitungen, die ja den Triumph des völlig uninteressanten Inhalts und der penetrantestmöglichen Redundanz in der Form darstellen. Warum also nicht einfach mit charmantem Unfug aufwarten, wie etwa Lautsprecher und LEDs auf den Tänzern zu montieren oder das korrekte Auseinanderfalten von Notenständern zu Musik zu machen? Außerdem war der Sound wunderbar (wie nicht anders zu erwarten), und wir haben uns auch gefreut mit unseren Schlüsseln klingeln zu dürfen oder mit Blinklichtern auf der Brust über die Bühne marschieren zu dürfen. Insgesamt also natürlich kein großes Theater, aber dafür ein sehr großer Spielplatz für einen, dem man gern beim Spielen zusieht.
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