Antikörper

Der deutsche Regisseur Christian Alvart erzählt im Gespräch mit skug über seinen neuen Film Antikörper und das Filmemachen an sich.

Wie ist die Idee zum Film entstanden?
Die Idee zum Film ist über die Themen entstanden, die behandelt werden. Ich wollte etwas über die Themen machen und habe nach einer Geschichte gesucht, die diese gut verbindet. Etwa die Frage: Welche die Rolle in unserer Gesellschaft spielt? Wie können wir unsere Kinder zu moralischen Wesen erziehen? Wie können wir selbst moralische handeln? Können wir unserem Instinkt vertrauen, oder braucht man ein Konstrukt wie etwa Religion?

Wie lautet die Antwort: Ist es fast nicht möglich? Man ist immer in der Zwickmühle?
Ja, die Antwort ist, dass es fast nicht möglich ist, aber dass es das wichtigste Thema ist. Und es ist ja immer so, dass die wichtigsten, universellen Fragen die sind, die man nie endgültig beantworten kann.

Sind im Film auch Schockeffekte dabei?
Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich habe Schockeffekte vermieden. Es gäbe so viele Möglichkeiten in diesem Film Schockeffekte einzubauen, aber das haben wir vermieden. Natürlich gibt es eine Szene, in der der Seriekiller beim Geständnis seiner Taten onaniert. Das habe ich aber nicht gemacht um zu schocken, sondern weil das einfach so ist. Diese Menschen berauschen sich sexuell selbst beim Geständnis ihrer Tat immer noch.

Insbesondere in Thrillern ist ja die Verbindung aus Musik und Kameraführung eine beliebte Verbindung.
Ich wollte keine Soundeffekte, die dauernd sagen: Das ist jetzt ein böser Film.

Ich präzisiere: Vielleicht geht es nicht um Schockeffekte, sondern um die Andeutung eines Schockeffektes.
Ich bin, was diesen Film angeht, durch einen sehr strengen Prozess mit mir selbst gegangen. Ich wusste, dass das kommt, ich wollte das für mich nicht und ich sage auch: Es gibt keine. Natürlich soll es spannend sein – es ist ja ein Thriller, der die Ängste und Befürchtungen der Figuren zeigt.
Es gibt Schattenseiten des menschlichen Daseins. Jedes Mal wenn man hört, dass wieder eine Frau ihre Kinder tötet und im Blumenkasten beerdigt, wird so getan, als hätte man das noch nie gehört und die Gesellschaft ist schockiert. Das ist nicht echt. Warum ist das so? Diese Pseudoaufgeregtheit, nur um mehr Zeitungen zu verkaufen!

Wahrscheinlich ist das deshalb so, weil so ein Fall jedes Mal neu an die Substanz geht. Es heißt, du hättest das Drehbuch sehr genau vorbereitet. Ist das eine Parallele zum genau vorbereiteten Serienverbrechen und an der Natur des Films gelegen?
Natürlich gibt es Filme, bei denen eine zu Gute Vorbereitung hinderlich ist. Einer meiner Lieblingsfilme Before Sunrise ist hier gedreht worden. Bei so einem Film ist es zuträglich, dass die Dialoge nicht bis ins Detail festgelegt sind, weil das die Schauspieler natürlicher erscheinen lässt. Bei meinem Film geht es um etwas anderes: Um feine Dramaturgie, darum, dass man die Leitfäden miteinander verbindet. Warum hast du gerade gelacht? Findest du den so schlecht?

Ja, ein schrecklicher Film!
Warum findest du den schlecht, zeigt der Wien von einer schlechten Seite?

Aufgesetzte Dialoge. Schlechte Dialog. Pseudoeinfühlsamkeiten, nein! Um Wien geht es da eh nicht so sehr. Das ist vielleicht noch das Beste, dass er ein paar Plätze zeigt, die man auch nicht so gut kennt. Aber sonst: Nein! Zurück zu deinem Film: Soll der Film auch sagen, dass jeder den Serienkiller in sich hat?
Potentiell ja, aber da muss noch zusätzlich einiges schief gehen, dass das eine Rolle spielt. Es ist erstaunlich wie wenig passiert bei sechs Milliarden Menschen.

Warum heißt der Film Antikörper?
Der Titel ist ja immer etwas ganz Schwieriges. Antikörper passt für mich auf mehreren Ebenen super. Welche das sind, kann der Zuschauer selbst rausfinden. Und wenn man den Film gesehen hat, macht es hoffentlich auch Sinn.

Jetzt im Kino: Antikörper (R: Christian Alvart, D 2005)
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