Yuki & Nina

Hippolyte Girardots und Nobuhiro Suwas gemeinsamer Film erzählt von einer Scheidung aus Kindersicht.

»Die armen Kinder«, hei&szligt es oft, wenn von der Trennung eines Paares die Rede ist. Wie aber Kinder tatsächlich mit der Scheidung ihrer Eltern umgehen, kommt schon wesentlich seltener zur Sprache. Nobuhiro Suwa und Hippolyte Girardot erzählen in ihrer ersten gemeinsamen Regiearbeit davon, wie zwei Freundinnen auf die Trennung der Eltern der einen reagieren. Yuki und Nina sind zwei Mädchen im Volksschulalter, sie leben in Paris und sind die besten Freundinnen. Gegen Ende des Schuljahres erfährt Yuki, dass sie noch in den Sommerferien mit ihrer Mutter, einer gebürtigen Japanerin, in deren ferne Heimat übersiedeln wird. Ihre Eltern wollen sich trennen, »weil es gemeinsam nicht mehr geht«, wie sie erklären. Yuki möchte ihre vertraute Umgebung und vor allem ihre beste Freundin nicht verlassen. Die beiden Freundinnen hecken einen Plan aus, um nicht getrennt zu werden.

Verlieren und Finden

»Yuki & Nina« ist ein ruhiger Film, kein Melodram, kein Problemfilm, keine tiefenpsychologische Studie. Der Film erzählt einfach eine Geschichte, ohne viele Worte zu machen. Er zeigt, dass Kinder und Erwachsene in sich teils überschneidenden, aber grundlegend verschiedenen Welten leben. Das Tun der Erwachsenen ist den Kindern unverständlich, die (Phantasie-)Welt der Kinder ist wiederum vor den Erwachsenen verborgen. Vielleicht ist in »Yuki & Nina« die Darstellung der Mädchen – sie sind etwa acht oder neun Jahre alt – etwas zu kindlich (in dem Alter glaubt man nicht mehr an Feen und Elfen), im Gro&szligen und Ganzen ist die »Kleinmädchen-Subkultur« aber ganz gut getroffen. In Suwas und Girardots Arbeit geht es um Verlust, um Sich-Verlieren/Verirren und ums (Wieder-)Finden bzw. Sich-Finden-Lassen, symbolisiert durch das archaische Symbol des gro&szligen Waldes. Am Ende hat Yuki einiges gefunden: Ein neues Zuhause, neue Freunde und die Möglichkeit, mit alten FreundInnen in Kontakt zu bleiben.

Zu den Regisseuren: Nobuhiro Suwa zählt zu den international etablierten Regisseuren des neuen japanischen Autorenkinos und führte u. a. bei »M/Other«, »Un couple parfait« und der Episode »Place de Victoires« in »Paris, je t’aime« Regie. Hippolyte Girardot war bisher als Schauspieler tätig (z. B. »Un conte de Noel« oder »Caos Calmo«). »Yuki & Nina« ist seine erste Filmregietätigkeit.

»Yuki & Nina«. Frankreich 2009. Regie: Nobuhiro Suwa & Hippolyte Girardot. Mit: Noe Sampy, Arielle Moutel, Tsuyu Shimizu, Hippolyte Girardot, Marilyne Canto u. a.

Derzeit im Stadtkino Wien

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