»Honeyland« © Stadtkino Wien

Vom Mikrokosmos einer Bienenkönigin

Am 13. März 2020 startet »Honeyland« in den österreichischen Kinos. Eindrucksvoll zeigen Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov das Aufeinanderprallen zweier Welten in einer nordmazedonischen Siedlung. Ein Sinnbild für eine bis aufs Äußerste geplagte Natur und Welt.

Mit weiten Panoramen und eindrucksvollen Farben führen uns die beiden Regisseur*innen Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov, die bereits bei »Lake of Apples« gemeinsam wirkten, in eine Welt aus Ruinen, wörtlich genommen. Der Titel des Films »Honeyland« ist eigentlich recht irreführend, spielt sich der Großteil des Films doch hauptsächlich in einem kleinen Radius um eine dunkle Hütte in der bergigen Landschaft Nordmazedoniens, 20 Kilometer von Skopje entfernt, ab. Dort lebt die letzte Wildbienenzüchterin Europas Hatidze mit ihrer Mutter Nazife. Wie um die Bienenköniginnen, die ihren Wohnort nie verlassen, kümmert sich Hatidze um ihre Mutter, die ihre Bettstatt nicht mehr verlässt.

»Honeyland« © Stadtkino Wien

Die einsame Imkerin
Hatidze ist eine grobschlächtige, jedoch äußerst gutmütige, zum Teil kindlich-naiv wirkende, äußerst starke Frau, die gleichzeitig der Einsamkeit und der harten Arbeit zum Trotz stets ein herzerwärmendes Lächeln und einen kaum verständlichen Optimismus zutage fördert. Ihre Arbeit besteht nun darin, sich um die Bienen zu kümmern, die in den Ruinen, in in grottenähnlichen Fenstern gelegenen Waben oder an schwer zu erreichenden Orten irgendwo im Gebirge versteckt den Honig produzieren. Diesen allerbesten High-End-Honig bietet sie dann in der Stadt zu relativ hohen Marktpreisen feil. Ihre Arbeit verrichtet sie mit äußerster Sorgsamkeit und nicht zuletzt einer behutsamen Fürsorge für die Bienen, denen sie jeweils immer die Hälfte des Honigs überlässt. Sie weiß bestens, wie das geht.

»Honeyland« © Stadtkino Wien

Irritationen von außen
Doch das gilt nicht für die dann auftauchenden zugezogenen Bauern, die in die Ruhe und Ausgeglichenheit die Hektik der Zivilisation bringen. Nicht nur sind sie stümperhafte Kuhhirten, sondern auch als Imker versuchen sie sich und geben ein trauriges Bild ab. Verschlimmert wird das durch den hinzukommenden Zwischenhändler, der von ihnen immer mehr Honig verlangt und somit das Chaos nur noch mehr vergrößert. Die äußerst robuste Hatidze kommt nicht nur an ihre persönlichen Grenzen. Auch ihre Bienen nehmen Schaden durch die rücksichtslose Arbeit der Zugezogenen. Der Arbeit mit der Natur steht der Kampf gegen die Natur gegenüber. Ohne zu romantisieren, schaffen die beiden Regisseur*innen eine Parabel, welche der äußerst verletzlichen Natur kapitalistische Sachzwänge entgegensetzt, welche den Möglichkeiten eines völlig aus der Zeit geratenen Lebens mit »der Natur« die Destruktion eines Lebens wider die Natur gegenüberstellt.

Links:
https://honeyland.earth/
http://stadtkinowien.at/film/1186/