Tuxedomoon, Ampère, München, 17.07.08

»Many are cold but few are frozen«

Tuxedomoon, ehemals eine Klasse für sich im New Wave, sind mit Neuveröffentlichungen und Tour nach längerer Pause in den 1990er Jahren jetzt wieder aktiv und spielten kürzlich im Ampère in München. Die Band, 1977 in San Franzisco gegründet, wurde in den 1980ern zu einer europäischen Band, Blaine L. Reininger Kultfigur. Der Avantgarde und dem Jazz verbunden waren sie nie einfach nur Pop. Von Avantgarde kann man nicht mehr so leicht reden. Bei Tuxedomoon jetzt umso mehr aber von der Nähe zu Fusion-Jazz. Dem ich immer mehr als skeptisch gegenüberstehe.
Die Band wirkte oberflächlich betrachtet selbstgefällig und reserviert. In den besten Momenten überzeugte sie stark im Repetetiven und durchaus in gewisser Weise mit Minimal Music korrespondierend. Wobei besonders spürbar war, dass ohne Schlagzeug gespielt wurde und Peter Principle am Bass aber umso mehr vermitteln konnte, dass er über die Kraft verfügt die Rhythmusarbeit alleine zu tragen. Die Zwei-Mann-Bläsersektion Steven Brown und Luc van Lieshout bemerkenswert bis ins Detail aufeinander eingespielt. Wie auch der Wechsel gelegentlich zum Keyboard. Und Blaine L. Reiniger: Er konnte sich früher schön narzistisch und exzentrisch in Coolness zeigen. Doch selbst als sein Gesang gegen Ende des Konzerts schreiend wurde, erschien das nur irritierend schaurig kalt und leer. Auf seiner aktuellen Myspace-Page »Blaine«, der Satz: »Many are cold but few are frozen«. Dazu passte der Klangraum seiner schönen Violinmelodien. Es herrschte Perfektion. Es dominierte saubere Gitarrenarbeit. Und besonders eben die Verwendung exakter Bläsersätze. Dabei entfaltete sich ein Gefühl von Leere. Als ein Raum, der zwar für etwas Fehlendes steht aber auch als eine beabsichtigt eingesetzte Aussage interpretiert werden kann. Und auch als ein Teil der künstlerischen Weiterentwicklung. Als wäre da bewusst eine leere Mitte. Als Imaginationsraum. Die Band arbeitet deshalb wohl oft mit Diaprojektion. Diesmal nicht.
Absolut im Heute legen Tuxedomoon betont Wert auf das neue Songmaterial und lehnen sich nicht auf ihre Songklassiker zurück.