Scout Niblett, Die Registratur, München, 14.05.08

Kontrollierte Extreme und Ungeschliffenheit.

Scout Niblett stellt sich allein mit ihrer E-Gitarre auf die Bühne, versetzt sich in ihrer Vorstellungswelt in eine Stadt namens Himmel und verkündet: »But I am your queen and you are my king«. Sowas geht auch nur noch bei Niblett gut. Wahrscheinlich weil sie in irgeneiner Sache mit dem Captain konspiriert, auf dessen Schiff sie da also geraten ist, wie wir auch gleich erfahren haben. In »Do you Want To Be Buried With My People«. Und wir wissen auch: Sie könnte umgebracht worden sein. Nicht nur wegen eines Kusses. Statt dessen hat sie aber ihr viertes Album »This Fool Can Die Now« veröffentlicht. In München war da irritierenderweise beim Soundcheck bei ihr und dem sie begleitenden Drummer eine Explosion im Kopf, die eine tödliche Thrombose hätte sein können, erzählt sie. Aber dann war das eben glücklicherweise eine Explosion im Hirnstoffwechsel, die in ein wunderbares Konzert führte. Faszinierend wie sie schon im ersten Song ihr ganzes Ausdrucksspektrum ausschöpft. Ihre helle, gefühlvolle aber durchsetzungsfähig dominante Stimme steigert sich oft in ein fast agressives Schreien, bei dem sich ihr Gesicht verzerrt anspannt. Niblett kann aber auch einfach vielsagend schweigend, elfenhaft vor sich hin sehen. Und mal wirkt sie verschlossen, fast wie verbissen, im nächsten Moment dann erstrahlt ein übertrieben breites Lächeln. Ihr lautes Vorsichhinlachen, immer wieder zwischendurch, klingt lieblich entrückt wie böse zugleich. Sie hält Extreme und Ungeschliffenheit unter Kontrolle. In ihrem Verhalten und in ihrer Musik.
Der Minimalismus ihrer Songs, einzelne, meist langsam hingezupfte, angerissene Gitarrentöne und -akkorde, mündet immer wieder in besonders hübsche Melodien oder aber im Gegenteil in schräge Krachattacken und Lärmorgien. Und der Schlagzeuger steigt mal sparsam einfühlsam, mal mit plötzlichen Schlagzeuggewittern, in manche Songs mit ein. In »Moon Lake« sitzt sie selber an den Drums und baut sicher ihren Gesang mit ein. Ihr Auftreten aus der Nähe beobachtend und analysierend muss ich auf einmal doch denken, dass da etwas zu viel Banalität und Naivität ist, in dem was sie mitteilt und spielt. Aber mit der Intensität, mit der sie alles zur Schau stellt, steht sie über so kritischen Gedanken. Und im Grunde stimmt einfach, dass es Spaß macht, zu sehen und zu hören mit welchem Charme und in welchen Gefühlsfacetten diese eigenwillige Songwriter-Persönlichkeit in ihren Songs präsent ist und agiert.