Roman Fischer + Anajo - 20. 4. 2005, Chelsea Wien

Wenn sich die deutsche Newcomer-Hoffnung von 2004 – Anajo – auf Tour zusammentut mit dem seit drei Jahren aufstrebenden deutschen Songwritertalent Roman Fischer, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Schiefgehen kann es nur, wenn man weiß, dass solche Worte wie »Newcomer-Hoffnung« absolut unangebracht sind.

Der Abend begann mit dem Auftritt des äußerst sympathischen Roman Fischer, der so jung ist, dass er in den USA rechtlich gesehen nicht einmal ein Bier ausgeschenkt bekommen würde. Die größtenteils noch jüngeren Menschen vor der Bühne sahen ihm verliebt zu, als er die modernen Rockballaden seines Debütalbums »Bigger Than Now« spielte. Er bediente dabei fast abwechselnd Gitarre und Klavier, verspielte sich nur wenige Male und hinterließ insgesamt einen guten Eindruck, irgendwo zwischen solide-langweilig und erfrischend-uninteressant.

Die Publikumsmasse, die vorwiegend mit spitzen High Heels und hochleistungsstarken Stimmbändern ausgestattet war, freute sich nun noch mehr auf Anajo. Diese betraten auch sogleich die Bühne und ließen ihren feuchten Sound auf die Menge los, ohne Rücksicht auf Verluste, was die Nerven der kleinen Mädchen anging. Menschen fielen sich in die Arme, es wurde an jeder Ecke gegrölt und gehüpft, ein Lächeln lag auf jedem Gesicht der Anwesenden (es sei denn, man bekam gerade einen jener High-Heels-Absätze in einen Zeh gebohrt). Anajo spielten sich komplett (!) durch ihr Album »Nah Bei Mir« und zusätzlich noch einige frühere Stücke, z.B. »Schokolade Und Pistolen« und »An Der Bahn«, bei denen dann klar wurde, dass es Anajo eben doch schon seit sechs Jahren gibt. Und dass sie mindestens gleich viel hinter sich haben, als das, was viele ihnen erst noch für die Zukunft vorhersagen. Getanzt wurde auf diesem Konzert zu Recht. Rhythmuslastig ging es zu, als z.B. »Honigmelone« auf dem Programm stand, eins der Lieder, die an Sinnentleertheit und Tanzbarkeit kaum zu übertreffen sind. Die Beats und die meisten Keyboardsounds kamen aus der Konserve, was den Spaß an der Sache aber nicht verringert hat, denn der überaus charismatische Basser Michi war ein wahrer Augenschmaus und immer einen Blick wert.

Ihrem Ruf als Dance-Rock-Übersympathen wurden Anajo also gerecht. Der Supportact war gut gewählt und so wurde es ein schöner Abend mit vielen netten, hysterisch-kreischenden Menschen.