»Les Regrets«

Ein Liebespaar in der Zwickmühle: Cédric Kahn erzählt durchwegs unterhaltsam von einer komplizierten Mann-Frau-Beziehung.

»Ohne dich kann ich nicht leben und mit dir kann ich nicht sein«, hei&szligt es in einem Lied Konstantin Weckers. In genau diesem Dilemma stecken auch Mathieu und Maya in Cédric Kahns »Les Regrets«. In ihrer Studienzeit waren Maya (Valeria Bruni Tedeschi) und Mathieu (Yvan Attal) ein Paar bis Mathieu die Beziehung sang- und klanglos verlie&szlig. Als sie sich Jahre später zufällig treffen, beginnen sie eine leidenschaftliche Affäre, obwohl beide inzwischen anderweitig liiert sind. Ambivalenz ist ein hervorstechender Faktor in der Beziehung des heimlichen Liebespaares. Einerseits liebt Mathieu seine Frau mit der er auch gemeinsam ein Architekturbüro leitet, andererseits ist ihm jede Ausreden recht, um ein Schäferstündchen mit Maya zu verbringen. Maya wiederum ist skeptisch, denn immerhin hat Mathieu sie vor Jahren grundlos verlassen. ?bereinstimmung finden die beiden Fortysomethings nur in der körperlichen Liebe. Sie fallen buchstäblich übereinander her sobald sich die Gelegenheit bietet. Mit romantischem Schmafu hält sich der Film also nicht auf.

Asynchrone Gefühle

In »Les Regrets« verfangen sich ein Mann und eine Frau in einer unmöglichen Beziehung, einer amour fou, wie sie im französischen Film so gern zelebriert wird. Wie z.B. im erst kürzlich in heimischen Kinos gezeigten Drama »Partir« von Catherine Corsini, wo der verlassene Ehemann (ebenfalls von Yvan Attal gespielt) seine Ex-Frau und ihren Liebhaber finanziell vernichtet, was wiederum die tödliche Rache seiner früheren Gattin nach sich zieht. Doch Kahn erspart den Zusehern familiäre Katastrophen und verzichtet auf eine Tragödie mit letalem Ausgang. Zwar kann der Film nicht als Komödie bezeichnet werden – Cédric Kahn selbst spricht von einem »Drama« – doch ein satirischer Grundton ist wohl auszumachen. Da wäre etwa die Asynchronität in der Gefühlswelt der Hauptfiguren: Einmal drängt die eine voran während die andere Hälfte zögert, dann will sie nichts mehr von ihm wissen, während er immer verrückter nach ihr wird und dann sind die Rollen wieder umgekehrt. Andauernd geraten Maya und Mathieu in peinliche Situationen, machen sich lächerlich. Für das Publikum ist es vergnüglich bis nervend den Liebesnarren zuzuschauen, denn eine befriedigende Lösung des Dilemmas ist nicht abzusehen und den Protagonisten traut man es eigentlich auch nicht zu, eine herbeiführen zu können. Manchmal ist man versucht ihnen zuzurufen: »Jetzt werdet doch endlich erwachsen!«

»Les Regrets«: Frankreich 2009. Regie: Cédric Kahn. DarstellerInnen: Yvan Attal, Valeria Bruni Tedeschi, Arly Jover, Philippe Katerine u.a. Musik: Philip Glass

Derzeit in österreichischen Kinos