Innsbruck quo vadis?

Dass es um die Situation (sub-)kultureller (Veranstaltungs-)Tätigkeiten hierzulande jenseits der Metropole gegenwärtig wieder einmal besonders schlecht steht, ist bekannt. Dem trotzende Aufbauarbeit über ein verzweigtes Netzwerk kleinerer, szenenah und mobil organisierter Kulturinitiativen wird in Innsbruck gezeigt.

»Zwischen Goldenem Dachl und Nordkette, im heimeligen Innsbruck geschieht nicht mehr viel, wenn der Touristenstrom erst einmal wieder sicher in den Reisebussen oder in der Ottoburg Platz genommen hat. Für Tiroler Bergjungen, die statt mit dem Knopfakkordeon lieber mit PC und Sampler Umgang haben, ist die Aufenthaltsgenehmigung ergo nur begrenzt…«, stand da vor kurzem in einer deutschen Zeitung geschrieben, über einen (von vielen), die ausgezogen sind, um in der Ferne usw. – der Rest der Geschichte ist bekannt. Das Zentrum der Welt war Innsbruck ja nie, aber früher, erzählen die Alten… Naja, auch das kennt man zur Genüge. Nichtsdestotrotz schien da in den letzten Jahren tatsächlich wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung verspürbar gewesen zu sein, in besagter Stadt, die sich so gerne, wenn schon nicht zum Zentrum der Welt, so doch zumindest zum kulturellen Zentrum Westösterreichs hochstilisiert.

Nicht in den »altehrwürdigen Institutionen«, aber im Feld mobiler Kulturinitiativen (VAKUUM, Innpuls, Grauzone, MedienKunstTirol – um nur einige zu nennen) rumorte es ganz schön. Und als dann das Projekt Freiraum im letzten Jahr Innsbruck auch noch mit einem Festival für »avancierte elektronische Musiken« (Porter Ricks, Radian usw.) beglückte, konnte man als ProduzentIn/ KonsumentIn im erweiterten Kunst-/Musiksektor für einen Augenblick gar zur Überzeugung gelangen, es würde sich lohnen, in dieser Stadt um eine Daueraufenthaltsgenehmigung anzusuchen. Aber Festivals verleiten häufig zu voreiligem Optimismus und für die dauerhafte Überwindung der mitunter doch recht breiten Kluft zwischen Zentrum und Peripherie sind Kulturinitiativen von oben genanntem Typus nun einmal auf ein Netzwerk kooperationswilliger respektive -fähiger Locations angewiesen.
Als im Jänner dieses Jahres die Innsbrucker Kulturinstitution Utopia Konkurs anmelden musste, ging damit die zentrale Räumlichkeit zur Austragung von Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen verloren. Und als kurz darauf mit der Workstation dann auch noch eine der vielseitigsten Einrichtungen der Stadt, welche in den letzten Jahren vermehrt als Location genutzt wurde und ihrerseits als Veranstalterverein in Erscheinung trat, von der Staatsgewalt aufgrund baulicher Mängel bis auf weiteres geschlossen wurde, mußte die hiesige (Sub-) Kulturszene den (zumindest zeitweiligen) Verlust einer ihrer letzten Bastionen hinnehmen.

Einstweilen hat sich zwar eine, u.a. aus den oben genannten Veranstaltervereinigungen sich zusammensetzende Plattform mobiler Kulturinitiativen gegründet, welche mittels konkreter Konzepte die Idee eines neuen (sub-) kulturellen Zentrums in Innsbruck zu lancieren versucht, inwieweit aber die politisch Verantwortlichen für ein solches Unternehmen zu gewinnen sind, ist fraglich. Angesichts des grassierenden Sparwahns steht es ja bekanntlich ziemlich schlecht um die Bedürfnisse solch »peripherer Kulturinteressen«. Und außerdem scheint v.a. für die Stadt die Devise zu gelten: Wenn mittels konsequent betriebener Verweigerungspolitik gegenüber den Anliegen einer immer schon eher unliebsamen Szene, dieser auch noch der letzte Rest Infrastruktur entzogen werden kann, um so besser…
Die Frage, ob dies nun alles einem neokapitalistischen Homologisierungsunternehmen zuzuschreiben ist, oder ob es sich ganz einfach so verhält, daß Provinz nun einmal Provinz ist und gefälligst auch zu bleiben hat, ändert dabei für die Menschen in Innsbruck nicht all zu viel an der verheerenden Situation. Bleibt also die Hoffnung auf- und der Kampf um die Zukunft.

Weitere Infos zur- und die Möglichkeit von Unterstützungserklärungen für die Plattform »mobiler« Kulturinitiativen finden sich hier.