Hermes Phettberg, Elender

Auf der Couch: Kurt Palm plaudert mit Hermes Phettberg über eine Kindheit in Unternalb, Aufgaben eines Pastoralassistenten und sonstige Seltsamkeiten im Leben eines (Ex-) Medienstars.

Hermes Phettberg vorstellen zu wollen, hieße Kanalratten nach Wien zu tragen. Als vor rund einer Dekade die Bekanntheit des Showmasters, Kolumnisten und Performance-Künstlers den Höhepunkt erreichte, berichtete etwa der spanische »El Pais« von dem ungewöhnlichen Entertainer, sogar bis nach Japan drang die Kunde von dieser österreichischen Ausnahmeerscheinung. Wenn auch die mediale Präsenz Hermes Phettbergs in den letzten Jahren gering war, ist der Bekanntheitsgrad des ehemals körperlich gewichtigen Mannes noch ziemlich hoch. Hermes Phettberg, im »richtigen Leben« Josef Fenz, erlitt im Jahr 2006 zwei Schlaganfälle, was neben einer körperlichen Beeinträchtigung auch zu einer enormen und dauerhaften Gewichtsabnahme führte, sodass der Name »Phettberg« gar nicht mehr passend ist.

Ein Porträt Phettbergs

Im Dezember des vergangenen Jahres beschlossen Regisseur Kurt Palm und die Produktionsfirma Fischerfilm ein Porträt Phettbergs zu drehen. Möglicherweise (aber das ist Spekulation) gab es Befürchtungen dessen angeschlagener Gesundheitszustand könne sich rapide verschlechtern, jedenfalls handelte man kurz entschlossen und begann alsbald mit den Dreharbeiten. Und so traf sich Kurt Palm, der bei fast allen TV- und Theateraktivitäten Phettbergs Regie geführt hatte, mit dem Ex-Entertainer in dessen Wohnung in der Gumpendorferstraße. Die beiden nahmen auf dem Sofa Platz und Phettberg erzählt, auf Fragen und Stichworte Palms reagierend, von seiner Kindheit im Weinviertler Ort Unternalb, von seinen beruflichen Tätigkeiten (wie zum Beispiel Nachtportier oder Pastoralassistent) und auch davon, wie er einst von Klaus Jürgen Wussow im Auto überholt worden war. Die Gesprächssequenzen werden unterbrochen von Ausschnitten aus TV-Auftritten Phettbergs (großteils der »Nette Leit Show« entnommen) und Aufnahmen aus der Heimat Hermes Phettbergs. Wie in Palm-Filmen üblich, gibt es auch hier Monty-Python-artige Animationen. Wer Phettbergs Texte kennt, die er für den »Falter« schreibt, erfährt relativ wenig Neues, wird aber immer noch fasziniert und erschreckt von dieser gleichzeitig heiteren und düsteren Persönlichkeit.

»Hermes Phettberg, Elender« (Regie: Kurt Palm, Österreich 2007, 85 Minuten)
Ab 7. Dezember im Kino

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