Helldorado, 12. 5. 2005 Chelsea/Wien

Dass mich diese norwegische Band auch live nicht nur bei oberflächlich guter Laune halten würde, war mir seit dem ersten Hineinhören in EP und Album klar. Helldorado – ein Name, der wie Donner grollt und durch seinen Klang allein das Unwetter ankündigt, dass über die miss/handelnden Personen der Lieder unausweichlich hereinbricht.

Das Schicksal zeigt sich als unbarmherzig und wählt sich den Tod zum ständigen Begleiter, der sich mal als Vampir, mal als »Killer On The Highway« zeigt. Tarantino hätte seine Freud‘ dran und ich wohl auch. Lange war mir die Möglichkeit nicht gegeben, diese Mutmaßung zur Gewissheit werden zu lassen. Die Vorfreude meinerseits staute sich also bis zu Beginn diesen Jahres auf beträchtliche Maße, was einerseits natürlich auch die Gefahr in sich barg, dass sie bei der endlichen Erfüllung enttäuscht in sich zusammenzusacken könnte. Oder auch nicht. Zum bereits dritten Male innerhalb weniger Monate des laufenden Kalenderjahres ließ ich mir Mitte Mai von den Nordländern einen Schlag in die Eingeweide versetzen, diesmal im leider doch sehr locker, doch umso lebhafter gefüllten Wiener Chelsea. Grundliniengerader Rock trifft ins Schwarze, wundernswerterweise auch an einem Donnerstag Abend. Ein schneller Blick zurück auf die hinteren Reihen zeigte, dass ich eine der wenigen weiblichen Ausnahmen im Publikum war und ich mich auch an einem der selbstbewusstseinsloseren Tage nicht alt gefühlt hätte. Daran war ich nun wirklich nicht gewöhnt. Ein kurzes, grübelndes Intermezzo sagte sich an, warum denn das so sei. Weil sich der Altersdurchschnitt aus den Teenagerjahren automatisch bis um die 30 hebt, wenn Gitarren lieber das Blut in Wallung peitschen, anstatt auf Herzschmerzschmelz abzuzielen? Weil man im tiefergelegten Zuschauerraum die eigene schützende Coolness eventuell beiseite schieben müsste, um dem Eindruck der Musik unterliegen zu können, was aber erst erlernt werden muss? Nun aber weg von der Publikumsbetrachtung und zurück zur Bühne, auf der sich Helldorado gewohnt klar und sicher durch Neues wie bereits Veröffentlichtes spielten. Ein Takt genügte, um zu wissen, wo es lang gehen würde. Der Bass flirrte drohend, die Drums gaben sich bissig, die Gitarre schwenkte zwischen einschneidend-rasant und weinerlich-pathetisch bis sie sich gemeinsam zur Zugabe hochspielten und mit »Psycho« oder »You Sucker« entluden. Das norwegische Quartett hat die Feinabstimmung zwischen den Parts gefunden, zeigte sich im Gleichgewicht. So drängte Dag S. Vagle seine Mitspieler bei aller Aufmerksamkeit, die er auf sich zog, mitnichten zur Seite. Ab und zu schlenkerte er in Elvis-Tiefen, sang wie ein Engel nach dem Rausschmiss von Wolke Sieben. Seine Mimik verstärkte textbegleitend die Dramatik des Inhalts, in den Augenwinkeln funkelte es diabolisch und ich war mir längst nicht mehr sicher, ob da nicht doch jemand für die Konzertzeit in ihn gefahren ist. Oder bin nur ich besessen? Scheißegal, nach dieser Pfeife tanz ich gerne.