Funny Games U.S.

Auch im Remake seines eigenen Films macht Michael Haneke keine Konzessionen ans Mainstreamkino. Dem Publikum wird nichts erspart, es gibt blanken Horror statt wohligem Gruseln.

Nicht dass Michael Hanekes Filme je leichte Kost wären, »Funny Games« jedoch zählt zu den geradezu unverdaulichen Produkten. Und um bei der Analogie zu bleiben: Dieser Film verursacht nicht nur Bauchgrimmen, sondern gröbere Magenprobleme. Vor etwa zehn Jahren schockte »Funny Games« (das Original), damals mit Ulrich Mühe und Susanne Lothar in den Hauptrollen. Haneke entwickelte den Film in Hinblick auf ein englischsprachiges Publikum, mittels des US-Remakes, dessen Inszenierung Haneke sich nicht nehmen ließ, soll aber gerade dieses Publikum endlich erreicht werden. Der neue Film wurde exakt nach den 1997er Streifen gedreht, dieselben Einstellungen, dieselben Dialoge, dieselben Cuts. Nur die Location wurde in die USA versetzt, die DarstellerInnen ausgetauscht. Naomi Watts und Tim Roth geben das Elternpaar, Devon Gearhart ( der in Clint Eastwoods »Changeling« zu sehen sein wird) stellt deren Sohn Georgie dar, Michael Pitt und Brady Corbet deren Peiniger.

Qual für alle

Die Story ist schnell erzählt: Die wohlsituierte Familie Farber möchte ihre Ferien im entlegenen Zweitwohnsitz am See verbringen; Segeln, Golfen mit den Nachbarn, Grillen mit Freunden. Zwei junge Burschen, die sich als Freunde der Nachbarn ausgeben, statten der Familie einen Besuch ab, töten zunächst deren Hund und beginnen grundlos Gewalttätigkeiten gegen die menschlichen Bewohner des Ferienhauses auszuüben. In 112 Minuten, die auch für die Zuseher eine Tortur sind, quälen Peter und Paul, wie sich die beiden nennen, die Farbers, machen sich lustig über ihre Opfer und bleiben dabei sprachlich immer höflich, in ihrer Haltung stets gelassen, offenbar gefühllos. Keine Musik, keine raschen Schnitte erleichtern das Zuschauen. Jede mühsame Bewegung, der durch Verletzungen und Erschöpfung ausgelaugten Opfer in Echtzeit scheint wie zerdehnt. Der Zuseher ist ohnmächtiger Zeuge und so selber Opfer, gleichzeitig aber in Sicherheit mit der Möglichkeit zu gehen, also auch in der Position der Täter.

Keine Antwort

Es gibt keine Erklärung für die Gewalttaten im Film. Peter erfindet einige: »Suchen Sie sich eine aus! ??? meint er. Billig wäre es, »aus aktuellen Anlass« auf die so genannte Realität zu verweisen, aber der Anlass ist immer aktuell, weil es Gewalt einfach immer gibt. Und oft gibt es keine Antwort, keine Lösung, nur Fassungslosigkeit. Was bringt Sicherheit? Ein hoher Zaun? Ein scharfer Hund? Eine Waffe im Haus? Es könnte auch anders ausgehen, gut oder jedenfalls besser, aber Haneke entlässt uns nicht mit einem Aufatmen. Denn dann wäre das Schlimme, die Grausamkeit nur der Nervenkitzel, den der Regisseur anprangert.

Ab 30.5.2008 in österreichischen Kinos

»Funny Games U.S.« (R: Michael Haneke USA/Großbritannien/Frankreich/Deutschland/Italien 2007)