Die Frau mit den 5 Elefanten

Zu Besuch bei einer alten Dame und auf Reisen mit ihr: Vadim Jendreykos Dokumentarfilm über die Dostojewski-?bersetzerin Swetlana Geier.

Eine erste Assoziation zu »Die Frau mit den 5 Elefanten« war »Dompteuse«. Doch in dem Film geht es nicht ums Abrichten von Zirkustieren: Mit den Elefanten sind die fünf großen Romane F.M. Dostojewskis gemeint, die Swetlana Geier im Auftrag eines Verlages neu ins Deutsche übertrug. Der Gedanke ans Tierbändigen ist aber vielleicht nicht ganz abwegig (nicht nur, weil es sich um Mammutwerke der Weltliteratur handelt), denn so wie die Arbeit mit Tieren ein genaues Kennen derselben voraussetzt, setzen gute Übersetzungen, exakte Sprach- und große Werkkenntnisse voraus. Für Swetlana Geier ist die Sprache etwas Lebendiges, auch in ihrer schriftlich fixierten Form. In Vadim Jendreykos Film erzählt die weit über 80-jährige Dame von ihrem Verhältnis zur Sprache allgemein, zum in ihrer Jugend erlernten Deutsch und zum Russischen, ihrer Muttersprache. Sie erklärt an Beispielen Unterschiede von deutschen und russischen Ausdrücken, findet Metaphern für die Übersetzungstätigkeit in ganz alltäglichen Verrichtungen wie Bügeln oder Zwiebelschneiden.

Mimik, Gestik, Gegenstände

Über viele Monate besuchten Jendreyko und sein Filmteam Swetlana Geier in ihrem Häuschen in Freiburg im Breisgau, wo die aus der Ukraine gebürtige Russin seit Jahrzehnten lebt und arbeitet. Auch als sie nach über sechzig Jahren erstmals wieder in ihre Heimat nach Kiew reist, ist die Kamera dabei. Jendreyko begnügt sich mit einem sehr knapp gehaltenen Off-Kommentar, lässt Bilder und die Protagonistin sprechen. Und das ist eine der Stärken des Films, der nicht über die Porträtierte spricht, sondern sie selbst zum Sprechen bringt, erklären und erzählen lässt, so dass sich aus Gestik, Mimik, Tonfall, den Umgang mit anderen und auch aus den Dingen, mit denen sie sich umgibt, ein komplexes Bild einer Persönlichkeit entsteht.

»Die Frau mit den 5 Elefanten«. Schweiz/Deutschland 2009. Regie: Vadim Jendreyko.

Derzeit in österreichischen Kinos.

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