Dialog mit meinem Gärtner (Dialogue avec mon jardinier) und So ist Paris (Paris)

Zwei Filme aus Frankreich behandeln das Thema zwischenmenschlicher Beziehungen. Jean Becker porträtiert in ländlicher Idylle eine Männerfreundschaft, während Cédric Klapisch ein ganzes Spektrum von Beziehungen zwischen Liebenden, Geschwistern, Arbeitskollegen, Verkäufern, Kunden usf. in der Metropole Paris zeigt.

Die Rückkehr an den Ort der Kindheit ist ein häufiges Thema in Literatur und Film. Auch Jean Becker hat sich z.B. in »Ein Sommer auf dem Land« damit befasst. Hier wird das einfache Landleben als verlorenes Paradies idyllisiert. In Dialog mit meinem Gärtner gibt es keine einseitige Bevorzugung des so genannten einfachen Lebens. Die Gegensätze von Stadt/Land sind evident, doch Beckers Film ist kein blauäugiges Plädoyer für ein »Zurück zur Natur!« Daniel Auteuil spielt einen arrivierten Maler, der im Landhaus seiner verstorbenen Eltern Abstand vom Tumult der Großstadt und privaten Problemen gewinnen will. Der Mann, der den verwilderten Garten in Schuss bringen soll, entpuppt sich als Schulfreund des Malers und nach den vielen Jahren ohne Kontakt zueinander können beide die Freundschaft erneuern. Der Pariser Intellektuelle und der pensionierte Bahnarbeiter (als kongeniales Gegenüber Auteuils: Jean-Pierre Darrousin) mit so unterschiedlichem Werdegang und konträrer Lebensweise finden in einen Dialog, in dem sich der weltgewandte Maler als Lernender erweist. Am Ende des Films wird er um viele Erfahrungen reicher als Gereifter hervorgehen. Coming-of-Age hat nichts mit dem tatsächlichen Lebensalter zu tun.

Solides Handwerk

In Cédric Klepisch‘ neuen Film, der auch eine Hommage an Paris ist, gibt es eine Reihe von Figuren, die durch ein Netz mehr oder weniger loser Beziehungen und Begegnungen verbunden sind. Wie die Stadt Paris selbst kein eigentliches Zentrum hat – so erklärt Professor Verneuil (Fabrice Luchine) im Film – hat auch »So ist Paris« keine Hauptfigur. Am ehesten ist es Pierre (Romain Duris), der im Mittelpunkt des Films steht, ohne die wichtigste Figur zu sein. Pierre, Anfang 30, erfährt, dass er einen Herzfehler hat, nur eine Transplantation kann ihm möglicherweise das Leben retten. Auf Grund seiner Stellung zwischen Leben und Tod nimmt er quasi eine Position fast außerhalb der Gesellschaft ein, er beobachtet viel, ist aber auch Akteur. Ihm gehört das zuversichtliche Schlusswort. Beide Filme zeigen Eckpunkte des Daseins: Liebe, Tod, Neuanfang und auch die vielen Trivialitäten, die einem jedem Tag widerfahren. Keine Jahrhundertfilme, nein, solides Handwerk, außergewöhnliche DarstellerInnen und unprätentiöse, kitschfreie Darstellung.

»Dialog mit meinem Gärtner« (R: Jean Becker, Frankreich 2007)
Seit 13.6.2008 in österreichischen Kinos
>> www.polyfilm.at

»So ist Paris« (R: Cédric Klepisch; Frankreich 2008)
Ab 18.7. in österreichischen Kinos
>> www.filmladen.at