Bock for President

Dokument der Zivilcourage: Die Flüchtlingshelferin Ute Bock und ihre Arbeit im filmischen Porträt von Houchang und Tom-Dariusch Allahyari.

»Bock for President« zeigt Ute Bock in ihrem Alltag, im Umgang mit ihren »Schützlingen« und mit der Polizei, beim endlos scheinenden Papierkrieg, bei Benefizveranstaltungen zu Gunsten ihres Vereins und in den wenigen privaten Momenten, die sie sich gönnt – wie etwa einen Spaziergang mit ihrer Schwester. Zwei Jahre begleitet das Filmteam unter der Regie von Houchang und Tom-Dariusch Allahyari Ute Bock. Beide sind auch im Flüchtlingsprojekt tätig, aber es sind noch engere Verbindungen, die Vater und Sohn zur Flüchtlingshelferin haben: Houchang war mit ihrer Schwester verheiratet und Tom-Dariusch ist ihr Neffe. Vertrautheit zwischen Filmern und Gefilmten musste also nicht erst mühsam aufgebaut werden. Herausgekommen ist ein sehr nahes, ungeschöntes Porträt einer resoluten Frau, die sich nie einschüchtern lie&szlig, die kein Selbstmitleid kennt und keines bei anderen akzeptiert, der manchmal ordentlich der Kragen platzt, die sich einen herben Humor bewahrt hat und die sich freut, von den Kindern Babuschka (Oma) genannt zu werden.

Papierkrieg und Benefiz

Eine Silvesternacht – von den Stra&szligen dröhnt der Krach von Knallkörpern und Raketen, aus dem Radio klingen gedämpft die Schläge der Pummerin, später der Donauwalzer. Wie jeden Tag sitzt Frau Bock um diese Zeit noch an ihrem Schreibtisch und arbeitet. »Wir lassen uns nicht verrückt machen«, meint Ute Bock zu ihrer Katze. Und dieses Nicht-Verrückt-Machen-Lassen charakterisiert die Haltung Ute Bocks, die sich seit Jahren ungeachtet von persönlichen Anfeindungen und des immer kälter werdenden sozialen Klimas in Üsterreich der Betreuung von Flüchtlingen widmet. Ausländerfeindlichkeit ist längst nicht mehr alleinige Domäne politischer Rechtsau&szligen-Gruppierungen, das Fremdengesetz stellt Flüchtlinge quasi unter Generalverdacht, die Innenministerin möchte AsylwerberInnen gleich einmal internieren.

Sozialer Kälte trotzen

Manchmal wird Frau Bock auf der Stra&szlige angepöbelt, erzählt sie, weil sie »dieses Gesindel« (gemeint sind die Asylwerbenden) »hergebracht« habe. Doch Ute Bock und die MitarbeiterInnen ihres Vereins lassen sich nicht beirren. Mit Rat und Tat stehen sie diesen Menschen bei: Einmal ist der Inhalt eines Behörden-Briefes zu erklären, dann medizinische Betreuung zu organisieren oder eine Unterkunft zu finden. Es werden Deutschkurse angeboten, es gibt eine psychologische Beratung. ?ber 200 Flüchtlingen bietet der Verein, der ausschlie&szliglich mit Spendengeldern finanziert wird, mit seinem Wohnprojekt Obdach. Denn oft stehen ganze Familien auf der Stra&szlige, wenn sie nach einigen Wochen aus der Bundesbetreuung entlassen werden. Im Film sind es zwei hochschwangere Frauen mit mehreren Kindern, die an einem Freitagabend in Bocks Büro gestrandet sind. Ute Bock versucht telefonisch, ein Quartier für sie aufzutreiben, doch ein Anruf nach dem anderen bleibt erfolglos: Alles voll, kein Platz, die zuständige Person ist nicht erreichbar. Schlie&szliglich wird ein Matratzenlager für die Frauen und ihre Kinder gerichtet, übers Wochenende können sie hier bleiben, am Montag wird man weitersehen. Im selben Gebäude hat sich Frau Bock selbst eine Art »Notlager« eingerichtet: Auf einem schmalen Bett in einem Lagerraum gönnt sie sich wenige Stunden Schlaf, bevor sie sich ab dem frühen Morgen wieder um die Probleme von Asylwerbenden kümmert.

»Bock for President«
Üsterreich 2009. Regie: Houchang und Tom-Dariusch Allahyari

Ab 15. Jänner in österreichischen Kinos

>> www.bockforpresident.at
>> www.stadtkinowien.at