Mac DeMarco © Nico Rottenbücher
Mac DeMarco © Nico Rottenbücher

20260622 Mac DeMarco in Wien

Am Montag, dem 22. Juni 2026, spielte der kanadische Multiinstrumentalist Mac DeMarco mit Band in der Wiener Arena ein Open Air. Ein Nachbericht.

Montagabend, 22. Juni 2026. Die ganze Nation fiebert mit, während die Fußball-Herren gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien kicken. Die ganze Nation? Nein! 5.000 tapfere Fans finden sich zum Open Air in der Wiener Arena ein, wo der kanadische Alleskönner Mac DeMarco knappe zwei Stunden durch sein Werk führt. Zwischen Show-Einlagen und Schabernack leidet die musikalische Qualität des Sleazy-Indie-Rockers nie. Das Arena-Publikum wirkt zufrieden und präsentiert sich durchmischt – Mittvierziger, die wohl bereits 2012 »Rock and Roll Night Club« hörten, finden sich ebenso ein wie hippe Gen-Z-Kids, die erst in den letzten Jahren über Social Media auf den Geschmack gekommen sind. Mac DeMarcos Musik funktioniert über Generationen hinweg.

Otto Benson © Nico Rottenbücher

Der Abend wird von Otto Benson eröffnet. Ganz im Sinne Mac DeMarcos führt der US-Amerikaner seinen schummrigen Indie-Pop vor. Als dann der Hauptact die Bühne betritt, wird schnell klar, wohin der Abend führt. DeMarcos Musik ist wie für einen heißen Juniabend gemacht: klassischer Indie-Rock zum Tanzen, aber auch experimentelle Stücke, die sich eher in Richtung Psychedelic Pop bewegen, sind das musikalische Äquivalent zu einem heißen Sommerabend. Mac DeMarco zeigt an diesem Abend, warum er als wahrer Charakter bekannt ist. Zwischen den Songs macht er immer wieder wahllos Geräusche ins Mikro, begeistert mit einem Handstand oder squattet über einem Ventilator. Dabei trägt er eine Hose im Feuerwehr-Stil. Seine Tanz-Moves sehen gleichzeitig starr und dynamisch aus, wenn der kanadische Indie-Slacker in der Kaktus-Yoga-Pose, beide Arme vom Körper abgewinkelt, über die Bühne springt. Zwischen all dem Wirbel funktioniert die Musik live ausgezeichnet. Trotz der Einlagen klickt jeder Einsatz perfekt, die Riffs bei »Freaking out the Neighborhood« werden von den Fans, der Song »Rooster« von der Live-Band mal eben vierstimmig gesungen.

Mac DeMarco © Nico Rottenbücher

Auch der Stage-Fotograf darf sich nicht ausruhen. Während eines Gitarrensolos huldigen der Fotograf und DeMarco dem Gitarristen, indem sie ihn auf Knien anbeten. Ein Keys-Solo wird von den beiden mit einem der wildesten Slow-Dances begleitet. Die Setlist ist ein Mix aus allen Schaffensphasen DeMarcos. Das neueste Album »Guitar« ist mit neun Songs zwar am öftesten vertreten, doch findet bei über dreißig Liedern jedes Album Einzug ins Set. Alle paar Songs ein Riesenhit und dazwischen ruhigere Töne, beispielweise »20191009 I Like Her« vom achtstündigen (!) Album »One Wayne G«. Zum Finale hin wird das Tanzen noch einmal musikalisch angeregt, um danach mit dem 7-Minuten-Monstrum »Moonlight on the River« und dem Gassenhauer »Chamber of Reflection« zu enden. Schlussendlich kommt eine Zugabe, die diesen Abend nicht besser auf den Punkt bringen könnte. Mac DeMarco hüpft auf allen vieren, wie eine Eidechse, zurück auf die Bühne und spielt ein zärtliches Liebeslied.

Arena Open Air © Nico Rottenbücher

Home / Musik / Konzert

Text
Nico Rottenbücher

Veröffentlichung
25.06.2026

Schlagwörter


favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Ähnliche Beiträge

Nach oben scrollen