Man muss hier gleich mit einer These starten, die 15.000 Menschen entweder erzürnt oder erfreut: Apache 207 macht keinen HipHop. Apache 207 macht Pop. Pop mit einigen HipHop-Elementen, wie so zirka alles, was heutzutage im Mainstream HipHop genannt wird. Und das ist okay. Also solange man die Erwartungshaltung zurückschraubt. Dann ist das Ganze ein Pop-Konzert wie von Helene Fischer. So auch am 7. Jänner 2026 in der Wiener Stadthalle.
Man darf das nicht falsch verstehen – es ist keine Kritik an Apache und seiner Show. Der Aufwand, die Bühne in der Mitte des Parketts, darauf ein Flugzeug. Also kein Nachbau aus Karton, nein – ein echtes Flugzeug. Genauer gesagt ein Bombardier CRJ-200LR. Wenn man die Registriernummer im Internet sucht, findet man die Maschine im alten Zustand, in dem sie durch die Luft geflogen ist. Und dieses Flugzeug ist die wortwörtliche Bühne, auf der Apache 207 über die Köpfe des Wiener Publikums hinwegfliegt.

Apache 207 lässt sich hier nicht lumpen. Er will eine Show bieten und seine Fans – die bei 10-jährigen Kids starten und bei 60-jährigen Dads enden, die wirklich jedes Wort mitsingen können – für zwei Stunden begeistern. Auch der extrem schlechte Sound in der Wiener Stadthalle (das war doch schon mal besser?) tut dem keinen Abbruch. Es wird getanzt, gesungen, gefuchtelt und mit den Blinkarmbändern ein Lichtermeer veranstaltet. Einzig bei den Rap-Einlagen in den Songs wird die Menge etwas starr und lässt diese eher über sich ergehen.
Der Überflieger
Musikalisch hat sich Apache in den letzten Jahren sehr von seinem Anfang wegbewegt. Was damals funktionierte, würde vielen Erziehungsberechtigten heute die Schamesröte ins Gesicht treiben, und somit gibt es wenige Songs von früher bei diesem Auftritt. Auch inhaltlich geht es mehr ums Herzen Brechen als um den harten Gangster. Wobei man Volkan Yaman diesen natürlich abnehmen würde. Furchteinflößend groß ist er allemal – auch wenn das Markenzeichen Pferdeschwanz vielleicht nicht perfekt in das Bild vom OG passt. Und irgendwie wirkt der Hüftschwung auch besser zu Musik, die von 80s und 90s (Synth-)Pop inspiriert ist. Mit 28 Jahren macht Apache 207 den Eindruck, dass er noch nie etwas anderes gemacht hat, als der Entertainer zu sein, den die Massen wollen.

Im Vergleich zu den deutschen Großstädten muss Wien sich mit einem Konzert begnügen, während in Deutschland drei Tage in Folge vor ausverkauftem Haus gespielt wird. Und bis auf seine Liebe zu Schnitzel hat Apache keine wirkliche Referenz zu Wien. Dem Publikum wird das eher egal sein, gefühlt jede vierte Person verlässt mit Merch die Halle und die Gesichtsausdrücke sind durch die Bank – trotz arschkaltem Wetter – zufrieden. 80 Euro für zwei Stunden Show sind 2026 auch ein fairer Deal, an dem sich beide Seiten erfreuen. So bleibt am Ende die Erkenntnis: Helene Fischer mit Pferdeschwanz ist keine Beleidigung. Es ist ein Kompliment. Oder zumindest eine sehr treffende Beschreibung.











