»Workingman's Death«

Michael Glawoggers Dokumenarfilm mit ausgeprägtem Erzählcharakter lotet die körperlichen und seelischen Grenzen eines in schwerster Arbeit fristenden menschlichen Daseins aus.

Aufgetischt als Aneinanderreihung der fünf Episoden Helden, Geister, Löwen, Brüder und Zukunft mit einem abschließenden Epilog lebt die Doku von unerbittlichen, schaudrigen, ungeschminkt puren Bildern einer geduldigen Kamera, die dem Kinobesucher eine mehr als unmenschliche Arbeits- bzw. Lebenswelt auf dem Silbertablett der Leinwand serviert. Ausgedehnt verharrende, statische, zehrende Bilder – auf das Wesentliche, nämlich die Ausreizung körperlicher Anstrengung ins Unermessliche, fokussiert – ziehen den Zuschauer in unangenehmen Bann und lassen selbst den weichsten Kinosessel unbequem werden.

Was uns beim Zähneknirschen auslösenden Anblick von Menschenkörpern in Hitze, Kälte, Dunkelheit und Todesnähe nicht vorenthalten wird, sind die kleinen schönen Geschichten, Rituale, Träume, die diesen Menschen Hoffnung und ihrem Leben Freude und Sinn verleihen. Der Raum für ihre Geschichten hat sie zu beinahe stolzen Protagonisten gemacht. Wer arbeitet, nur um zu überleben, erträgt den Schmerz mit einem längeren Atem. Das Ende bildet ein Epilog, der meines Erachtens ein wenig aufgesetzt wirkt, eine vergleichende Aussage treffen will, die dann eher im Hals stecken bleibt. Die Stimmung bricht leider etwas unglücklich zusammen und der Eindruck jener Bilder von zuvor, die allesamt für sich sprechen und keiner Worte mehr bedürfen, ist meines Erachtens beinah in Gefahr zu verblassen. Weniger wäre mehr gewesen.

Die Musik von John Zorn bildet stimmungsvoll den Rahmen und steigert geschmeidig die Rhythmik im Bilde, bei Bedarf manch schaudrige Stimmung erzeugend. Als feinste Elektronicsounds, gewürzt mit einem nicht unangenehmen Ausmaß an Ethno-Touch, ist es ihr gelungen, die Sinnlichkeit eines schweißüberströmten Rückens beim Tanz seiner Muskeln, den warmen Hauch eines Atems im kalten ukrainischen Winter und die grenzenlose Erschöpfung nach solch heldenhaft getaner Arbeit spürbar zu machen.

Diese grandiose Hommage an die Stachanovs dieser Welt – 1935 begründete Aleksej Stachanov als Minenarbeiter den Mythos des Helden der Arbeit, als er in einer Nachtschicht die Arbeitsnorm ums 14-fache übertraf – wurde bereits bei den Filmfestspielen in Venedig, Toronto und der Viennale gezeigt!