Tiger Lou + Fire Fox + Torpedo, 16. 02. 2005, Arena Wien

Ein schwedischer Abend, dem sowohl die Kälte außerhalb, als auch die Wärme innerhalb der kleinen Halle der Arena gerecht wurde.

Den Anfang machte Fire Fox (also unknown as Andrea Kellermann), die eigentlich mit der Hauptfigur des Hauptacts, Rasmus Kellermann von Tiger Lou, ehelich gebunden ist. Ihr bezauberndes Programm führte uns in sehr verschlungene, schöne Songs mit Drumcomputer, Gitarre und Stimme, die oft sehr tanzbar-punkig treiben konnten, die schwedische Feuergruppe Telefuchs quasi, dann wiederum sehr berührend und zerbrechlich wirkten. Nicht selten weckte sie Assoziationen zu Gustav oder Björk, auch wenn sie doch irgendwo ein sehr eigenes, geheimnisvolles Verständnis von der Wechselwirkung zwischen Dynamik und Emotion hat. Eine der sympathischsten Erscheinungen der letzten Zeit.

Danach erklommen Torpedo kurz die Bühne, um mit einer etwas lauteren Version von Joy-Division-angeschwängerten Indie-Punk loszukrachen. Volle Bandbesetzung, volle Lautstärke und ein Sack voll leider mittelmäßiger Ideen, die nie über ihren eigenen Schatten springen konnten. 

Versöhnlich zu Ende ging es mit einem bezaubernden Konzert von Tiger Lou. Die Warmherzigkeit der hier präsentierten Musik haust irgendwo tief in jenen Bereichen der Großhirnrinde, die sich sonst scheuen, ihren Kommentar zum Weltgeschehen abzugeben. Musik, die große Gesten wie auch kleine Geschenke fabelhaft beherrscht. Musik, deren Emotion fast immer greifbar ist, und deren Gespieltheit sich nicht versteckt, nicht damit geizt, nicht so-tut-als-ob. Und das ist auch ihre größte Stärke, nicht ins Peinliche zu verfallen; genau deswegen kann Tiger Lou mit kompaktem, aber »belanglosem« Indie-Emo-Pop so glücklich machen. Es stellt sich hier nicht mehr die Frage »Wann hast du das letzte Mal geweint?«, sondern »Warum hast du es niemandem erzählt?«. Dankbar und vielleicht überrascht gehen die Leute nach dem Konzert hinaus und fragen sich, warum jemand so nah am Kitsch entlangschrammen kann und trotzdem so gut funktionieren kann.

Draußen mag es kalt sein. Aber ein wenig wärmer als vor dem Konzert ist es allemal.