Ken Loach - Just a Kiss

Ja, es ist soweit. Der neue Ken Loach is about to come. Der Regisseur (Sweet Sixteen, Navigators, Ladybird Ladybird …) ist bisher durch seinen realistischen Stil aufgefallen, reale Geschichten, reale Darsteller, das reale Sozialdrama in einer realen Welt.

Mit seinem neuen Werk »Just a Kiss« knüpft Loach nur vage an den Hyperrealismus früherer Tage an, dieser wird diesmal nicht bis zur letzten Konsequenz durchgezogen. Das große Drama des durchaus heiter und sehr unterhaltsam beginnendem Films weicht einem kleinen Hoffnungsschimmer. Mehr als ein bestenfalls halbes Happy End darf es aber trotzdem nicht sein.

Die Geschichte spielt wie schon »Sweet Sixteen« in Schottland – Der »derbe« Slang der unbedingt empfehlenswerten Originalfassung lässt keinen Zweifel daran, das Scottish hier die wahre Sprache ist.

Mit dem Hauptprotagonisten Casim Khan tauchen wir zugleich in die indisch-pakistanische Community von Glasgow ein. Eine Gemeinde mit ihren eigenen Regeln und Funktionsweisen. Der Film beginnt mit einem Referat von Casims jüngerer Schwester Tahara, welches zugleich auf ironische Weise das Dilemma der Nachgeborenen aufzeigt. Eine pakistanischstämmige Jugendliche, die nie woanders als in Glasgow gelebt hat, in eine katholische Schule geht, Fan eines bestimmten Fußballclubs ist und in dieser Mischung eine Stärke sieht.

Casim, der als DJ arbeitet und von seinem eigenen Club träumt, lernt Taharas irische Lehrerin Roisin kennen, als er seine Schwester von der Schule abholt. Bald stellen sich Gefühle ein, die beiden verabreden sich und verlieben sich trotz aller vermeintlichen kulturellen Unterschiede ineinander.
Was eigentlich wunderbar sein sollte, bringt jedoch viele Probleme mit sich. Casim soll, wie seine ältere Schwester auch, eine arrangierte Hochzeit vollziehen und einen Lebensstil ganz den Traditionen der Eltern gemäß führen. Alles andere würde Schande für die ganze Familie bedeuten. Seine Liebe hat hier keinen Platz. Auch Roisin bekommt allmählich Probleme an ihrem Arbeitsplatz, der katholischen Schule.

»Just a Kiss« ist ein großes Werk eines großartigen Regisseurs, der uns auf eine sehr sensible und behutsame Weise durch den Film führt. Für die zwei Hauptfiguren verspürt man augenblicklich eine unglaubliche Sympathie, ein bisschen hat man sich auch in die beiden verliebt. Trotzdem läuft der Film niemals Gefahr ins kitschig-unglaubwürdige abzurutschen, zu groß sind die Probleme der Realität, welche die Figuren immer wieder heimsuchen.
Ein wirklich sehr geschmacksicherer Film, den man nicht missen sollte.
Im Pressetext ist sogar prophetisch »von großem europäischen Kino« die Rede.

»Just a Kiss« von Ken Loach läuft am 17. Jänner 2005 in den heimischen Kinos an.