»Gore Motel« (Bohren und der Club of Gore)

Leere Flure, ein verlassener Hotelpool und ein Knarzen auf der Tonspur. Das Setting von »Hotel« lässt keinen Zweifel aufkommen, hier regiert das Unheimliche. Das Unheimliche, das wir nie zu Gesicht bekommen, welches uns »schaudern macht«.

Jessica Hausner setzt sich in ihrem neuestem Film mit dem Genre des Horrorfilms auseinander und man könnte meinen es gelingt ihr. Lange Hotelflure, der Mythos der alten Hexe, fungieren wie Zitate aus »Shining«, »Blair Witch Project«.

Die blasse Hauptdarstellerin Irene nimmt eine Stelle als Rezeptionistin in einem Hotel an. Eine Stelle, die nur frei war, weil ihre Vorgängerin verschwunden ist. Irene wird sich später deren Brille borgen, die sie in ihrem miefigen Dienstzimmer entdeckt.

Irene ist eine Person, mit der man früher sicher nicht gerne befreundet gewesen wäre. Unauffällig, brav und irgendwie den Beigeschmack eines Strebers anhaftend. Das biedere Ketterl, mit einem Kreuz um den Hals hängend, will sie ihrer Kollegin auch nicht borgen.

Eine hervorragende Besetzung mit Franziska Weiss als und Marlene Streeruwitz als Hotelbesitzerin kennzeichnet den Film, der auch ein bißchen ein Abbild der kleinbürgerlichen Spießigkeit Österreichs ist. »Geh, das kann man doch kaum lesen, dass nächste Mal schreibens a bisserl schöner, gell?«. Das alte Hausmeisterehepaar, das um jede Kleinigkeit vorher fragen muss.

Die Hinterwald-Mentalität, wie in der Dorfdisco, wo jedes neue Mädchen gleich gemustert und angegraben wird. Wo auf Prolo-Techno irgendeine Schnulze folgt. Der Freund mit Schnurrbart und Lederjacke. Die Langsamkeit mit der die Dinge passieren. Dazu passt Irene, die ihrer Mutter vorgaukelt, sie müsse sich keine Sorgen machen und stolz verkündet: »Stell da vor, ich hab sogar schon meinen ersten Nachtdienst alleine machen dürfen. Da schaust, gell, nein wirklich, es ist wirklich alles in Ordnung hier und grüß den Papa schön«.

Solche scheinbaren Nebensätze machen die Filme von Hausner und Albert aus, sie sagen viel über die Soziologie des Landes, das oft kleinbürgerliche Umfeld der Protagonisten, aus dem es kaum ein Ausbrechen gibt. Der indifferente Ausdruck in Gesicht und Verhalten Irenes lässt uns außen vor. Die Ordnung ist in »Hotel« aus den Fugen geraten.

Wir merken es an der Art wie Räume (hervorragend: Hausners Kameramann Martin Gschlacht) in Szene gesetzt werden. Die Architektur des Hotels, der des Nächtens verlassene Pool, der Keller, wo Irene immer irgendwelche Dinge erledigen muss. Orte an denen komische Dinge passieren. Die verbotene Tür, die immer wieder zufällt. Die unheimlichen großen Bäume des angrenzenden Walds. Die Schreie in der Dunkelheit. Die Paranoia, die sich anbahnt. Alles wirkt sehr reduziert und minimalistisch. Am Ende ist Irene dann einfach verschwunden. Das Grauen bleibt ein Geheimnis, welches nicht preisgegeben wird. Es löst sich in sich selbst auf.