Festivaltagebuch 17. 10. / Tag 2

Filmkritiken: „Parapalos“, „The Ghosts of Edendale“
Shortcuts: „Die Spielwütigen“, „Maria, llena eres de gracia“, „Notre musique“, „A tout de suite“
Veranstaltungen: Präsentation von „Sunny Side Up 4“, Publikumsgespräch

„Parapalos“
Ein Jungendlicher sitzt nackt auf einer Bahre, so beginnt dieser argentinische Film von Ana Poliak. Er starrt in die Luft und schweigt. Vielleicht lässt er seine Gedanken schweifen.
Der junge Protagonist Adrián arbeitet in einer Kegelbahn. Sein Job ist es die Kegel, nachdem sie umgeworfen sind, wieder aufzustellen. Er freundet sich mit einem älteren Mitarbeiter an. Mit seiner Freundin wohnt er zusammen in einer kleinen Wohnung. Wenn er frei hat blättern sie Magazine durch. Sie liest ihm einen Leserbrief vor …
Ein ruhiger Film über einen unspektakulären Antihelden in einer Kegelbahn. „Big Lebowski“ in Argentinien sollte man sich allerdings nicht erwarten, hier geht es eher um den ungeschönten Lohnerwerb und nicht um die Leidenschaft des Spiels.
Kleine Menschen und kleine Gesten. Ein Hund jagt eine Bowlingkugel vom Ende der Bahn zur anderen. Der junge Mann bläst in seine Mundharmonika, obwohl er nicht spielen kann.

„Parapalos“, heute um 18:30 im Metro.


„The Ghosts of Edendale“
Diese amerikanische Produktion von Stefan Avalos (bekannt u.a. durch „The Game“) könnte nach der Vorstellung durchaus für kontroversiellen Gesprächstoff sorgen. Irritierend erscheint es doch, solch einen Film bei der Viennale zu zeigen. Die Handlung: Kevin und Rachel ziehen nach Edendale in Hollywood, um ihrem Traum näher zukommen. Nach kurzer Zeit halten Gespenster und Geisterwesen Einzug in ihr Haus. Der Mann scheint sich zu verändern. Eine Aufarbeitung der Geschichte Hollywoods. Anno dazumal ist in Edendale der Star Tom Mix, bekannt für seine Cowboyrollen, verunglückt nun, stiehlt er den Bewohnern Edendales ihre Seele. Stellt sich nur die Frage, ob der laut Programmheft: „vielschichtige und intelligente Horrormix“ nicht ebenso missglückt ist.

„The Ghosts of Edendale“, heute um 20:30 im Gartenbaukino.


Shortcuts:

„Die Spielwütigen“ ist eine Dokumentation von Andreas Veiel („Blackbox BRD“), die bei der Berlinale 2004 den Publikumspreis erhielt. Veiel begleitet SchauspielschülerInnen vier Jahre lang auf ihrem Lebensweg, am Ende steht der Sprung ins Berufsleben.

Heute um 18:30 in der Urania, sowie morgen, am 18. 10. um 11:00 im Metro.


Über „Maria, llena eres de gracia“ wurde bereits im Vorfeld der V04 allerorts gemunkelt. Hyperrealistisch wird hier das Schicksal der 17-jährigen Maria erzählt, die von der großen Armut ihres kolumbianischen Dorfes in die USA flieht, als sie schwanger wird, um dort ihr Geld als Drogenkurier zu verdienen.

Heute um 20:30 im Gartenbaukino.


„Notre musique“ ist der neue bereits mit Spannung erwartete Film von Jean-Luc Godard. Ein Film in drei Teilen rund um die zerbombte Brücke in Mostar. Der Aufbau der Trümmer, die Zerstörung des Krieges.

Heute um 18:00 im Stadtkino, sowie am 22.10. um 20:30 im Gartenbaukino.


„A tout de suite“ ist ebenso ein französischer Film von Jacquot Benoit. Eine Kunststudentin verliebt sich in einen Gangster. Sie wird zu seiner Komplizin und flüchtet mit ihm quer durch Europa.

Heute um 18:00 im Gartenbaukino.


Veranstaltung:

In der Zentrale wird heute die CD-Kompilation „Sunny Side Up 4“ von John Megill präsentiert, der im Anschluss auch auflegen wird.

Außerdem findet unter dem Titel „New Chinese Cinema against the Grian“ ein weiteres Publikumsgespräch statt. Um 19:00 werden in der Zentrale unter anderem Cui Z’ein („Night Scene“) und Wu Ershan („Fei-zao-su“) unter Leitung der Filmwissenschafterin Bérénice Reynaud diskutieren.