Festivaltagebuch 16. 10. / Tag 3

Reviews: »In Between Days«, »Sehnsucht«
Shortcuts: »Sommer 04 an der Schlei«, »L’Année suivante«
Events: Diskussion »Gibt es ein anderes Kino«, Party RUS KLUB

»In Between Days«
Ein behutsamer Debütfilm der gebürtigen Koreanerin Kim So Yong.

Es geht um die vor kurzem mit ihrer Mutter nach Kanada emigrierte Aimie, die sich gerade in der Pubertät befindet. Sie ist heimlich in ihren besten Freund Tran verliebt, mit dem sie allerlei Blödsinn treibt, auf Partys geht und einfach nur rumhängt oder fernsieht. Als ihr ihre Mutter kein Geld zum Einkaufen geben möchte, schmeißt sie einfach ihren Sprachkurs hin und streift das Kursgeld ein. Handyklingeltöne auszuprobieren gehört zu einer Lieblingsbeschäftigung der Teenager.

Neorealistisch eingefangen sieht man die Teenager bei ihrem mitunter recht öden Tagesablauf.

Der Film bleibt dabei dicht an den Figuren und lässt wenig Raum für Außenstehendes, das meint auch architektonische Hintergründe, die als Kulissen kaum wahrnehmbar sind, weil die Darsteller oftmals in Close-Ups ins Bild gerückt werden, der Rest scheint ausgeblendet. »In Between Days« ist eine langsame Arbeit, die behutsam das Heranwachsen eines Mädchens untersucht, unspektakulär in Szene gesetzt und auf Video gebannt.

Kim SoYong geht mit einer bestimmten Langsamkeit vor, die ihren Film treibt.

Sehr facettenreich und genau ins Bild gesetzt wird hier eine Geschichte inszeniert, die es sich anzusehen lohnt.

Heute um 13:00 Uhr im Stadtkino

»Sehnsucht«
Der neue Film von Valeska Grisebach (»Mein Stern«) spielt irgendwo in einem Dorf nahe Berlin in Ostdeutschland. Es geht um Markus, einen Schlosser, und seine Ehefrau. Markus ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und lernt bei einem Ausflug eine andere Frau Rose kennen. Das Familienidyll gerät ins Wanken.

Markus ist zwischen den beiden Frauen hin und her gerissen. Er liebt sie beide. Aus dieser simplen Geschichte wird sich eine Tragödie entfachen. Eine Tragödie die Anleihen an Romeo und Julia nimmt.

Wieder hat Grisebach ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet. Sehr genau setzt die Filmakademieabsolventin ihre Figuren in Szene. Wie Markus zum Beispiel alleine und ein wenig betrunken völlig versunken zu Robbie Williams tanzt, während er singt: »I just wanna feel real love, feel the home that I live in«. Und weiter: »Come on hold my hand, I wanna contact the living. Not sure I understand, this role I’ve been given.«

Tags darauf erwacht Markus neben einer anderen Frau im Bett.

Das Leben der drei gerät aus den Fugen, die Kamera verbleibt dabei in Nahaufnahme dicht an deren Gesichtern. Lange Einstellungen, die Menschen blicken schweigsam in die Ferne. Ein anderes Mal sagen sie sich große Worte wie: »Ich begehre Dich so sehr!«

Die Bilder sind oftmals grau. Am Ende erzählen sich Kinder den Ausgang der Geschichte, oder wie es gewesen sein könnte, am Spielplatz, ganz nebenbei. Man fühlt sich an die großartig improvisierten Szenen in »Mein Stern« erinnert.

Heute um 20:30 Uhr im Gartenbaukino

Shortcuts

»Sommer 04 an der Schlei«
Miriam verbringt mit ihrem Freund, ihrem Sohn Nils im Teenageralter und dessen zwölfjähriger, hübscher Freundin Livia einen gemeinsamen Urlaub an der Ostsee. Als Livia den ungleich älteren Bill kennenlernt, scheint die Idylle zu kippen.

Heute um 15:30 Uhr im Gartenbaukino

»L’Année suivante«
Der Film erzählt von der 17-jährigen Emanuelle. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen. Als ihr Vater stirbt fühlt sich das ohnehin sehr stille Mädchen noch verlorener und alleine gelassen. Ein berührendes Erstlingswerk über die Schwierigkeiten, erwachsen zu werden.

Heute um 18:00 Uhr im Gartenbaukino

Events

Um 17:00 Uhr wird anlässlich der Viennale-Reihe »Propositions« ein besonderes Augenmerk auf »radikales und eigenständiges Kino« gelegt. Moderiert von Hans Hurch diskutieren Valeska Grisebach, Romuald Karmakar und Patric Chiha.

Am Abend ab 22:00 Uhr darf man sich auf eigenwillige DJ-Acts und Performances der Reihe RUS KLUB freuen.