Festivaltagebuch - 13.10.2006 / Tag 0

In Wien bricht nunmehr wieder die Zeit an, auf die die Cinephilen dieser Stadt bereits monatelang gewartet haben.

Heute abend wird die Viennale 2006 mit Stephen Frears Film »The Queen« eröffnet, der bereits in Venedig wohlwollend Premiere gefeiert hat. Bis 25. Oktober werden die fünf Viennale-Kinos mit 315 Projektionen aus 47 Ländern bespielt. Darunter befinden sich zahlreiche Premieren, traditionsreich machen Dokumentationen nahezu 50% des Programms aus.
Weiters gibt es wieder, wie auch schon in den letzten Jahren, Nebenveranstaltungen, wie Konzerte und Diskussionsforen. Zahlreiche Gäste aus dem Filmbereich geben sich ebenfalls die Ehre, um dem Publikum Rede und Antwort zu stehen.

Specials

Das Filmmuseum zeigt schon den ganzen Oktober hindurch eine Doppel-Retrospektive der französischen Filmemacher Jaques Demy und Agnès Varda. Letztere wird auch persönlich mit prominenter Begleitung (Rosalie Varda und Mathieu Demy) anwesend sein. Näheres unter: www.filmmuseum.at

Feine Sache, besonders da es solche Arbeiten nur sehr selten ins Kino schaffen und deswegen wohl in Österreich nicht mehr zu sehen sein werden.
Die vor zwei Jahren erfolgreich eingeführte Programmschiene »Propostions«, wird uns auch heuer wieder ausgewählte aktuelle Filme vorschlagen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kino aus Österreich, das sich spezifisch heimischen FilmemacherInnen widmet.

Eine besonderes Geschenk der Viennale gilt Elfriede Jelinek, die am 20.10., an ihrem 60. Geburtstag die Urania einen ganzen Tag lang mit ihren Lieblingsfilmen beehrt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Arbeiten des Experimentalfilmemachers Kenneth Anger, der bereits sein Kommen zugesagt hat. Diese einmalige Gelegenheit sollte man also keinesfalls verpassen.

Der ebenfalls amerikanische Filmemacher Dominic Angerame wird auf der Viennale mit ausgewählten Arbeiten, die dem avantgardistischen Kino entspringen und unter anderem von Tagebuch- bis Reisefilmen reichen, präsentiert. Auch hier gilt hohe Empfehlung, denn so schnell wird man diese Werke in dieser Stadt sicherlich nicht wieder zu Gesicht bekommen.

Tributes

Unter dem Titel »Sisters Act« erfahren die Schauspielerschwestern Plivia de Haivilland und Joan Fontaine bei der heurigen Viennale ihr Tribute. Zahlreiche Filmschmankerl werden zu erwarten sein.

Sehenswert auch die Filme von Peter Whitehead, der ein wichtiger Teil des englischen Underground- und Dokumentarkinos der sechziger Jahre war und dessen filmisches Ouevre stark mit dem Begriff »Swinging London« zusammenhängt. Whitehead wird unter dem Titel »Sympathy for the Devil« von der Viennale geehrt, nachdem seine Werke in den letzten Jahren bereits nahezu in Vergessenheit geraten waren, der Regisseur wird sich auch persönlich die Ehre geben.

Special Programs

»Tales from the Jungle« stellt uns Werke vor, in denen das Motiv Dschungel auf verschiedenfältigste Weise filmisch thematisiert wird.

Der namhafte Filmemacher und Filmhistoriker Hans Scheugl wird im Filmarchiv Austria eine Reihe kuratieren, die den Titel: »Nicht mehr fliehen« trägt und sich mit dem Filmschaffen von Herbert Vesely, sowie dem so genannten »neuen deutschen Film«, dem nunmehr namhafte Regisseure zuzurechnen sind (Wim Wnders, Rainer Werner Fassbinder usw.), auseinandersetzen.

In Zusammenarbeit mit dem »New Crowned Hope Festival« wird die Viennale unter der Leitung von Peter Sellars vielfältige Werke, präsentieren. Hier wird ausschließlich außereuropäisches Kino zu erwarten sein, daß sich in der nicht-westlichen Welt verortet.

Die Veranstaltungsreihe »Working Class« hat sich bereits bestens im Fixprogramm etabliert und wird heuer das Festival mit Gesprächen zum Überthema »Love, Peace and Deconstruction – Pop und Politik 1965-1975« bereichern. Prominente Diskussionsteilnehmer dürfen erwartet werden.

Events

Neben all den sorgfältig ausgewählten filmischen Beiträgen der Viennale finden in der Zentrale, in der Urania, weitere Veranstaltungen statt. Neben Podiumsdiskussionen, Lectures, DVD-Präsentationen und Buchvorstellungen werden unter anderem Filmemacher die Plattenteller bespielen.
Außerdem wird es wieder ein »MiniMonsters of Spex« geben, wo Urlaub in Polen die Urania bespielen werden, im Anschuss wird sich Tobias Thomas die Ehre geben.
Die Rus-Klub-Reihe wird in der Urania mit DJ-Sets und Live-Performances verteten sein.
Weitere musikalische Gäste der Viennale 2006 sind: Soffy O And A Group Of O’s, Will Oldham (selbst mit dem Film »Old Joy« vertreten, Bernhard Fleischmann und die DJs DBH und Baumeister H.

Das heutige Eröffnungskonzert bestreitet außerdem niemand geringerer als Leafcutter John, im Anschluss folgt ein nicht minder spannender DJ-Set vom legendären Justus Köhncke.

www.viennale.at