Black Mountain + Dead Meadow - Molotow, Hamburg am 13.11.2005

Dead Meadow und Black Mountain werfen alles über den Haufen. Zum Beispiel das Jahr 1935, in dem Superhirn Einstein sogenannte c und damit (zumindest theoretisch) die Möglichkeit der Zeitreise entdeckte. Oder H.G. Wells erste Zeitmaschine, die daraus resultierenden Parallelzeiten und Vergangenheitsbeeinflussungen.

All diese Kopflastigkeit ist Dead Meadow schnurzpiepegal. Stattdessen bevorzugen sie es, die Vergangenheit mit rauchschwadenhaften Sounds in die Konzertsäle zu holen. So auch am letzten Sonntag auf Hamburgs verregneter Reeperbahn.

Ein am Schlagzeug klebender Bass rezitierte beherzt alte Black Sabbath-Licks, ebnete den Weg für lethargisch schreitende Gitarrensoli, verzuckert mit Delay, Wah Wah und nochmals Wah Wah. Von Jason Simons solide aussehendem Gesang bekam man – mal abgesehen von den Lippenbewegungen – nicht viel mit. Dafür aber umso mehr vom blondschöpfigen, bärtigen Schlagzeuger, dessen Schläge sich mit Finesse zu glänzenden, vielschichtigen Beatstrukturen versponnen. Überhaupt war es wohl hauptsächlich seine außergewöhnliche Spielfreude, die dem Auftritt Lebendigkeit verlieh. Der Erfindungsgeist des Trios litt jedoch immer wieder unter einem nicht weg zu kriegenden fuzzy Sound und der etwas übertriebenen Huldigung an eine vergangene Ära der Rockgeschichte.

Der Geist der Vergangenheit verließ auch bei Black Mountain nicht den Saal. Er wurde nur energischer, kantiger und unvorhersehbarer. Auch hier stand das Schlagzeug wieder im Zentrum des Geschehens. Meisterhaft, wie das Schlitzohr Joshua Wells punktgenaue Schläge in die Welt setzte, gleichzeitig am Synthie rumspielte, und – als ob das nicht schon genug wäre – lauthals mitsang. Während sich der Rest der Band in den Pausen in tiefes Schweigen hüllte gab er mit breitem Grinsen lockere Kommentare zum Besten. Spacige Sounds, Klangteppiche, schmuckvolle Gitarrenriffs und der zweistimmige Gesang Stephen McBeans und Amber Webbers türmten sich zu bombastischen, eindrucksvollen Soundwänden.

Zwischendurch fielen einem immer wieder amüsante Seltsamkeiten auf: Wahrscheinlich um das warme Brummen besser genießen zu können stand der in sich vertiefte Bassist während der ganzen Show wie angewurzelt vor seinem Verstärkerturm. Da wäre auch noch Amber Webber, die am Mikro so wirkte, als würde sie Weihnachtslieder vortragen. War das noch Performance? War das Genial? Kongenial? Mmhhh. Vielleicht befremdlich-gut. Ach, lassen wir das Theoretisieren.