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8. März, 21:00 - 23:59

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HOW TO CHANGE EVERYTHING

THE POLITICS OF FEMINIST STRIKE, RADICAL CARE AND ARTIVISM
Mit künstlerischen Arbeiten von Petra Bauer, Marisel Orellana Bongola, Mariana Chiesa Mateos, Jessica Cortina López, Lena Rosa Händle, Jacqueline Hoàng Nguyễn, Daniela Ortiz, María Ruido
Kuratiert von Barbara Mahlknecht
#It is impossible, that is why it is necessary
#Wenn wir anhalten, steht die Welt still
#8M Huelga detenemos para cambiarlo todo
Am 8. März ist internationaler Frauen*streik. Der Streik ist die Verweigerung der Arbeit, die Frauen* leisten: unbezahlt oder bezahlt, mit Kindern, älteren Menschen oder Kranken, in Büros oder Fabriken. Insbesondere aber gilt der Streik der Sorgearbeit. Sorgearbeit ist der Logik der Lohnarbeit entzogen: Sie scheint auf keinem Gehaltszettel auf; sie hat keinen Vertrag. Denn sie ist „Arbeit aus Liebe“. Stoppen wir Frauen* unsere Arbeit in Wohnungen, Gemeinden, Küchen, Kantinen, Schlafzimmern, Kindergärten, Schulen, Straßen, Bordellen und Krankenhäusern, kommt die Welt zum Stillstand. How to Change Everyhing schließt sich dem Streik der Frauen* und somit der internationalen Frauenbewegung an, die in den letzten Jahren immer entschlossener geworden ist: Gegen die globale kapitalistische Ausbeutung, gegen sexuelle und rassistische Gewalt, gegen Femizide, gegen die Kriminalisierung von Migration und Flucht, gegen institutionelle Gewalt von Staat und Kirche, gegen das Abtreibungsverbot.
How to Change Everything versammelt künstlerische und aktivistische Beiträge, die Sorgearbeit ins Zentrum stellen. Sie rücken das scheinbar Private ins Öffentliche, politisieren Haushalts- und Care-Arbeit (Lena Rosa Händle und Mariana Chiesa Mateos), zeigen die rassistische Gewalt an den Körpern von Müttern* und Neugeborenen* (Daniela Ortiz), kollaborieren mit Sexarbeiter*innen in der Politisierung von Frauenarbeit jenseits moralisierender Positionen (Petra Bauer), begleiten und dokumentieren die Kämpfe und Aktionen von rassifizierten Frauen* in Wien (Marisel Orellana Bongola und Jessica Cortina López) und reflektieren die Implikationen von neoliberaler Unsicherheit und Hyperindividualismus für die mentale kollektive Gesunheitheit (María Ruido). Wir brauchen neue Rituale, die uns über die Differenzen hinaus und mit der Erde verbinden (Mariana Chiesa Mateos). Die Kämpfe gehen weiter, und die Musik vergangener Kämpfe hallt in der Gegenwart nach (Jacqueline Hoàng Nguyễn).
Im Sinne der „joyful militancy“ (Silvia Federici) und des „pleasure activism“ (Adrienne Maree Brown) geht es um lebensbejahende, lustvolle, transformierende Erweiterung und Gestaltung von Handlungsraum. Die Sorge ins Zentrum des gemeinsam geteilten Lebens zu stellen, heißt, einen Kampf um ein besseres Leben zu führen, jetzt, hier, für alle und überall.
KÜNSTLERISCHE ARBEITEN
Petra Bauer zeigt mit Workers! (2016) ist das filmische Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Collective, HER Film und SCOT-PEP, einer von Sexarbeiter*innen geführten Organisation in Schottland. Der kollektive Ansatz der dem Film zugrunde liegt versteht sich als Instrument zur Erkundung und Politisierung von Frauenarbeit jenseits moralisierender Positionen, die im Feminismus in Vergangenheit und Gegenwart vorherrschen.
Marisel Orellana Bongola hält in ihren Fotografien die Kämpfe rassifizierter Frauen* und ihre öffentlichen Aktionen in Wien fest.
Mariana Chiesa Mateos La otra cerimonia (2019) ist eine dekoloniale, feministische Wiederaneigung der Arete-Guasú-Zeremonie der Chiriguano-Chané-Stämme. Die Künstlerin greift die Tiermaske des Jaguar auf, die in den Feierlichkeiten zum Einsatz kommt. Als Hommage an die indigenen Körper, Frauen und Mädchen ruft La otra cerimonia einen rituellen Kampf gegen koloniale und patriarchale und sexualisierte Gewalt auf. Sowohl Eso que llaman, amor es trabajo esencial (2019, Billboard), als auch die Textilarbeit Hacia una historia (2021) artikulieren die Vielfalt von reproduktiver Arbeit: Geburt, Erziehung, Sexualität, Saatgut und Feldarbeit, Gesundheit und affektive Beziehungen.
Jessica Cortina López begleitet mit ihren Illustrationen und Grafiken die Kämpfe der BIPoC- Frauen* und öffentlichen Aktionen in Wien fest. Sie bringen die Haltung der Künstlerin zum Ausdruck: „Für mich ist alles miteinander verbunden, wenn das Wasser zu Ende geht, wird der gesamte Kreislauf zerstört. Tiere, Menschen, alle Lebewesen und die Erde würden leblos bleiben.“
Lena Rosa Händle Cuidarse es Revolucionario / To Care is Revolutionary (2018/2022) gilt der Fürsorgearbeit verschiedener von Frauen verschiedener Generationen, sozialer Schichten und sowohl ländlicher als auch städtischer Umgebungen in Spanien. Das Atelier der Künstlerin in Barcenilla de Piélagos war der Schauplatz für Begegnungen, bei denen die Gemeinsamkeiten, Verbindungen und geteilten Erfahrungen als roter Faden und Bindeglied zwischen allen Werken fungieren.

Jacqueline Hoàng Nguyễn greift mit The Wages Due Song, 2016 das Protestlied des gleichnamigen Kollektiv Wages Due Lesbians auf, das Teil der Internationalen Kampagne Lohn für Hausarbeit war. Das Klangstück basiert auf dem Text von The Wages Due Song, geschrieben von Boo Watson im Jahr 1974. Die aktuelle Version ist in Zusammenarbeit mit Thunder Tillman entstanden.
Daniela Ortiz‘ Arbeit mit dem Titel Risk Factors (2019) zeigt das Foto ihres neugeborenen Kindes neben einer Liste von Indikatoren, die von der Generaldirektion für Kinder- und Jugendfürsorge der Generalitat de Catalunya (DGAIA) verwendet werden, um „geeignete“ Umgebungen zu identifizieren und Mütter zu „überprüfen“. Die Arbeit analysiert, wie die Behörden, die für den Entzug des Sorgerechts zuständig sind, mit klassenspezifischen, patriarchalischen und rassistischen Motiven arbeiten.
María Ruido 2018-2019 verarbeitet in Estado de malestar (2018-19) Krankheit und psychisches Leiden in kapitalistischen Zeiten. Ruido legt den Schwerpunkt auf den sozialen Zustand der chronischen Traurigkeit, eine Form des Schmerzes, insbesondere auch von Frauen*, die als privat empfunden wird, obwohl sie mit der Last der Arbeitsunsicherheit, der Ungewissheit und des extremen Individualismus verbunden ist, die wir zu tragen gezwungen sind.
KURATORIN
Barbara Mahlknecht ist eine feministische Forscherin, Kuratorin und Kulturproduzentin. In diesen Rollen, aber auch als Tochter, Mutter, Pflegerin und Hausangestellte, reflektiert sie die radikale Geschichte der Kämpfe um soziale Reproduktion und Pflege, die für zeitgenössische feministische Aufstände und Aufbrüche von Bedeutung sind.
→Vernissage: 8. März 2022 um 21 Uhr
→Anschließend Feministisches Punkkonzert von K.I.L.L.-The Band
Als ihre Lieder noch kein Anfang oder Ende hatten, erfanden sich K.I.L.L.-The Band ein eigenes Genre: Easy-Listening-Ambient-Punk, für Telefonwarteschleifen, Hotellobbies oder den Lift. Mittlerweile spielen sie am liebsten laut auf der Bühne und bezaubern dabei zwischen Protest, Witz und Gefühl vor allem durch ihren aufrichtigen Charme.
→ DJ Set von CvD & nadIcht [zuckerlkette & claudia virginia dimoui]
(22 Uhr – 01.30 Uhr)
mit freundlicher Unterstützung von Stadt Wien/Ma7 und Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentl.Dienst und Sport