another WASTEland
3. Dezember, 18:00
Mit dem Langzeitprojekt „haunted landscape/s“ behandelt Claudia Bosse seit 2024 verwundete Landschaften als künstlerisches Gegenüber. Als eine der wegweisenden Positionen der freien Tanz-, Theater- und Performanceszene wagen die Künstlerin und ihr theatercombinat damit einen wirklichen Perspektivenwechsel, weg vom Menschen, hin zu den von ihm verwundeten Landschaften. Schonungslos, materiell und körperlich. Die neue Uraufführung „another WASTEland“ beschwört erstmals drei aktuelle Landschaften in je eigener ästhetischer Form im Tanzquartier Wien.
„another WASTEland“
Die aktuelle Arbeit „another WASTEland“ von Claudia Bosse führt zu drei Landschaften, die je auf spezifische Weise räumlich und medial in Erscheinung treten: ein austrocknender Fluss (Laute), eine verlorene Brache (Bewegung) und eine zerstörte Kriegslandschaft (Sprache). Das performative Triptychon „another WASTEland“ feiert am 3. Dezember Uraufführung im Tanzquartier Wien.
Das „WASTEland“ wird dabei zur konzeptionellen Figur: Fragmente des Zerstörten, Außer-Kraft-Gesetzten, Außer-Acht-Gelassenen werden zu Akteur:innen, die sich räumlich und situativ auf die Zuschauer:innen beziehen. Menschliche Einschnitte in Geologie und Ökologie der Erde – von Kriegszerstörungen über Ressourcenabbau bis zum Klimawandel – werden dabei nicht nur benannt, sondern erlebt, erspürt und erlitten. Was bedeutet der Verlust von Landschaften – von Flüssen, die verschwinden, von Kriegsgebieten, die nicht mehr zugänglich sind?
Die raumgreifende Choreografie, zur Soundscape von Günther Auer, speist sich aus Landschaften geopolitischer Verwerfungen und aus dem somatischen Gedächtnis der Performer:innen – Su Huber, Lucia Mauri, Carla Rihl und Marcella San Pedro schöpfen dabei aus physischen Erfahrungen an Wiener Brachstellen.
Inmitten des Publikums versammelt „another WASTEland“ Erinnerungen an nicht mehr existierende Landschaften, verhandelt gewaltige Transformationen von Umgebungen und befragt dabei die Leerstellen in der Darstellung selbst.
Über „haunted landscape/s“
„haunted landscape/s“ ist eine mehrformatige Serie von Claudia Bosse (2024-2026) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler:innen und beschäftigt sich mit verwundeten Landschaften in Form von ortsspezifischen Performances, multimedialen Installationen, Field Research und Choreografien.
„haunted landscape/s“ begreift den Planeten als lebenden Organismus, überzogen von Landschaften, die Zeichen ihrer Zugriffe sichtbar tragen: Kriege, klimatische Veränderungen, Abbau von Materialien oder Zugriffe auf für den Menschen lebensnotwendige Ressourcen.
Die Menschen verändern die Bewegungen der Erde, graben sich in ihre Schichten und verwunden so die Landschaften, die – manchmal von Geistern bewohnt – in die Zeit atmen. „haunted landscape/s“ will diesen Landschaften begegnen, sie erfahren, begreifen und in choreografisch-performative Arbeit übertragen.
Manche der Projekte treten, teils über Monate, unmittelbar vor Ort mit Landschaften, Brachstellen oder Wäldern in Kontakt (u.a. WASTELAND dream/s – a chronicle on choreographic ground, mit performativen Ritualen auf einer sich stetig verändernden Brache in Wien, oder die Installation „entanglement with a haunted forest“).
Andere Etappen führen ins Innere von Kulturinstitutionen, greifen auf die körperlichen und visuellen Spuren aus den Außenerfahrungen zurück und beschwören verwundete Landschaften herauf. Dazu zählen etwa “HAUNTED LANDSCAPES or the breathing out of earth” in Tanzquartier Wien, das performative Poem „Cracks in Landscape“ in Zagreb und Genf oder zuletzt die multisensorische Installation „Evocation of Absent Landscapes“ im WEISSEN HAUS im Juni 2026. Auch „another WASTEland“ bringt als performatives Triptychon die Außenerfahrung ins Innere und macht die Brache zum Akteur.
Dabei Module, Motive und Methoden zur Umsetzung verschiedener künstlerischer Formate zu finden, sieht Bosse als zentrale Grundlage zum Auf- und Ausbau von nachhaltigen Strukturen.
Alle Produktionen des theatercombinat, seit 2024 als Teil der haunted landscape/s-Serie, sind hier zu finden: https://www.theatercombinat.com/wp/chronology/
Das Team von „another WASTEland“
Choreographie / Raum / Konzept: Claudia Bosse
Performance: Su Huber, Lucia Mauri, Carla Rihl, Marcella San Pedro und Amina Ricetti
Musik / Sound, Objekte: Günther Auer
Kostüme: Julia Zastava
Dramaturgie: Krassimira Kruschkova
Performance: Su Huber, Lucia Mauri, Carla Rihl, Marcella San Pedro und Amina Ricetti
Musik / Sound, Objekte: Günther Auer
Kostüme: Julia Zastava
Dramaturgie: Krassimira Kruschkova
Produktion und Assistenz: Larry Meyer
Outside Eye: Adam Czirak
Research Advice: Yosi Wanunu
Social Media: Juliana Furthner
Presse: Die Kulturproduktion / Melina Cerha-Marcher, Simon Hajós
Outside Eye: Adam Czirak
Research Advice: Yosi Wanunu
Social Media: Juliana Furthner
Presse: Die Kulturproduktion / Melina Cerha-Marcher, Simon Hajós
Eine Produktion von theatercombinat in Koproduktion mit dem Tanzquartier Wien, gefördert von Stadt Wien Kultur, unterstützt von liquifer systems group, research unterstützt von stockholm university of the arts /skh.
Begleitprogramm im TQW
Am 4. Dezember ist ein Artist Talk mit der Co-Direktorin des TQW Isabel Lewis im Anschluss an die Vorstellung geplant.
Am 5. Dezember findet das Symposium „Landscape Thinking in the Arts“ statt. Auf Einladung der Künstlerin Claudia Bosse begegnen sich die indigene Sámi-Heilerin und Aktivistin Åsa Andersson Martti und der Landschaftsarchäologe Dimitrij Mlekuž Vrhovnik, um zu untersuchen, wie Landschaftsdenken Performance und Tanz verändern kann. Im Mittelpunkt stehen das Spannungsfeld zwischen Ritualen, verkörpertem Wissen, indigenen Kosmologien und digitalen Technologien sowie die Frage, wie Landschaften durch historische, politische und ökologische Prozesse geprägt und verändert werden.
Claudia Bosse
Claudia Bosse lebt in Wien, Berlin und Stockholm, ist Regisseurin, Choreografin, Künstlerin und leitet die transdisziplinäre Konstellation theatercombinat. In ihrer radikal forschenden Praxis werden Räume als Akteur:innen anerkannt, Körper als politische Landschaften etabliert und Theater wird zu einem Ort, an dem bestehende Ordnungen sinnlich erfahrbar und neu situiert werden.
Mit haptisch eindrücklichen Materialien, schonungslosen, körperlichen Auseinandersetzungen und radikal räumlichen Setzungen entwickelte Bosse in einer über drei Jahrzehnte dauernden künstlerischen Praxis eine unverwechselbare ästhetische Sprache, die sich laufend vertieft und erweitert. In der konsequenten Verschränkung von Mythen, Ritualen und Texten mit Körpern, Objekten und Klängen entstehen ortsspezifische Performances, Installationen und Interventionen inner- und außerhalb Europas, in Museen, Architekturen, Theatern, Landschaften und Stadträumen. Seit 2025 promoviert sie an der Stockholm University of the Arts zu „Hybrid Landscapes“ im Bereich medienbasierter und performativer Praxis.
theatercombinat
theatercombinat ist ein nomadischer Produktionsorganismus für international realisierte freie Kunst- und Theaterarbeiten unter der künstlerischen Leitung von Claudia Bosse. Die transdisziplinäre Konstellation verbindet in wechselnden Konstellationen Künstler:innen unterschiedlicher Generationen, Disziplinen und Kontexte innerhalb und außerhalb Europas.
In ortsspezifischen Kollaborationen mit Institutionen, Initiativen und lokalen Akteur:innen entstehen Performances, Choreografien, Installationen und Interventionen in kontinuierlicher Weiterentwicklung von künstlerischen Methoden und Arbeitsweisen über einzelne Produktionen hinaus.
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