Foto: David Visnjic (www.visnjic.net)

Zurecht hart. Nazar in der Arena - Fotoreview

Abrakadabra, Nazar ist wieder da. So heißt es in, trara: Abrakadabra. Heimspiel in der Wiener Arena also. Nazar selbst wird nicht müde immer wieder zu betonen wie wichtig ihm dieser Abend ist, wie sehr es im leid tue so lange nicht mehr in Wien aufgetreten zu sein (Popfest zählt nicht). Von daher enttäuschend, dass die große Halle der Arena nicht gedroschen war sonder nur „eh gut gefüllt“ mit Betonung auf gut, aber trotzdem. Der Stimmung hat das freilich wenig geschadet, wo Nazar es doch wirklich beherrscht sein Publikum unter Kontrolle zu haben und dessen Augen auf sich gerichtet zu lassen. Vor allem aber: das Publikum hört diesem Kerl zu! Und auch das weiß Nazar ganz genau und nutzt dies aus. Er ist es der durch seinen Background die Jugend erreichen kann (und aus gutem Grund auf die #Stolzdrauf Kampagne pfeifen darf und soll) und er tut dies auch. Unermüdlich erzählt er zwischen den Tracks aus seinem Leben, wieso was wie gelaufen ist. Er erzählt von der Wichtigkeit von Respekt zwischen allen und jeden, von Religion zu Religion. Nazar erzählt dass es NATÛRLICH beschissen im Knast war, was sonst (aber er sagt es den, das also der große Unterschied zu manch anderem Rapper) . Er erinnert auch daran wie wichtig es ist dem Land in dem man aufwächst, das einen aufnimmt dankbar zu sein. Klischeehafter Kitsch möchte man meinen, oder gar bezahlten Patriotismus vermuten. Was jedoch Blödsinn ist, natürlich. Nazar kennt sein Publikum. Nazar weiß genau wer sich da im Zuschauerraum tummelt. Und nein, er ist nicht hier um diese Kiddos zu erziehen und auch nicht zu belehren. Es ist vielmehr ein freundschaftlicher Rat der da von der Bühne kommt, ein Aufzeigen von Taten und Konsequenzen. Der freundliche Diktator schafft es innerhalb von Sekunden die Gefahr von unreflektierter und absoluter Hörigkeit einer Führungsperson gegenüber aufzuzeigen. Nazar ist aber auch deswegen hier um gegen die Aalglattheit, Geschlecktheit und vor allem Schlangenhaftigkeit vieler KünstlerkollegInnen zu mahnen. Er ist politisch, er steht dazu und das ist gut so!

Aber es sind nicht nur die Geschichten wegen derer der Favoritner auf der Bühne steht. Eigentlich ist er ja hier um sein aktuelles Album Camouflage vorzustellen. Die Musik darauf ist gut, das Album weiß zu gefallen. Man möchte sich nur wünschen das ganze einmal mit Liveband zu sehen zu bekommen.

Ja, die Wortwahl in seinen Songs mag oft eine (sehr) harte sein, ob Pose oder nicht sei mal dahingestellt. Auch muss das Thema der Bodyguards auf der Bühne nicht mehr thematisiert werden, irgendwann reicht es dann ja auch. Zumal es rein Bühnenbildtechnisch verdammt gut aussieht und es eben keine Leibwächter sein müssen. Genauso gut kann es einfach die Entourage sein die da oben steht. Die angesprochene Härte ist ein Mittel zum Zweck. Nazar ist ein Geschichtenerzähler, ein ziemlich guter sogar. An diesem Abend werden keine Mütter gefickt, wer das sucht ist hier fehl am Platz. 

 

alle Fotos (c) 2015 David Visnjic (www.visnjic.net)

 

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